Peter Goerke, der frühere Personalchef der Credit Suisse, wurde im Februar 2019 drei Tage lang verdeckt überwacht, berichtet die Nachrichtenagentur "Reuters" unter Berufung auf einen Artikel der "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ). Die Umstände deuteten darauf hin, dass die Schweizer Großbank über einen Mittelsmann den Auftrag zu dieser Beschattung gegeben habe, schreibt die NZZ in ihrer Dienstag-Ausgabe. Damit erschüttert ein weiterer Bespitzelungsskandal das eidgenössische Geldhaus, nachdem erst im September bekannt wurde, dass man Iqbal Khan, den ehemaligen Chef der Vermögensverwaltung, kurz vor seinem Wechsel zur UBS von Privatdetektiven ausspionieren ließ.

Während die Credit Suisse bei Khan offenbar verhindern wollte, dass er Mitarbeiter oder Kunden zu seinem neuen Arbeitgeber mitnimmt, ist der Grund für die Beschattung von Goerke nicht nachvollziehbar. Laut "NZZ" soll die Aktion im Februar unter dem Decknamen "Küsnacht" über die Bühne gegangen sein. Nur vier Tage später gab die Credit Suisse bekannt, dass Goerke aus der Geschäftsleitung ausscheide und Senior Advisor der Bank werde.

Die von der Credit Suisse mit der Untersuchung zum Fall Khan beauftragte Anwaltskanzlei Homburger kam zum Schluss, dass Konzernchef Tidjane Thiam nicht in die Beschattung eingeweiht gewesen sei. Stattdessen übernahm Pierre-Olivier Bouee, ein Vertrauter Thiams und für das operative Geschäft zuständig, die Verantwortung und nahm seinen Hut. Nun erklärte die Bank, dass die Khan-Untersuchung keine Hinweise ergeben habe, dass weitere Mitarbeiter beschattet wurden – dies gelte auch für Goerke.

Weiteres Ungemach könnte dem Institut durch einen Bericht des "Wall Street Journal" aus der Vorwoche drohen. Darin hat eine ehemalige Managerin gegenüber US-amerikanischen und Schweizer Behörden erklärt, dass sie 2017 während einer Auseinandersetzung mit der Bank überwacht worden sei. Laut Credit Suisse entbehren die Vorwürfe jeder Grundlage. (mb)