In der laufenden Woche soll es endlich so weit sein: Die ING Deutschland startet ihre lange geplante Wertpapierberatung. Unter dem nüchternen Namen "ING Komfort-Anlage" bietet sie künftig ausgewählten Kunden die Möglichkeit, mit einem "Anlage-Coach" zu sprechen, meldet das "Handelsblatt". Ursprünglich war das neue Beratungsangebot bereits für das vergangene Jahr angekündigt gewesen. Privatkundenvorstand Daniel Llano Manibardo hatte den Zeitplan noch im vergangenen Sommer gegen FONDS professionell bekräftigt. Warum es nun doch länger gedauert hat als gedacht, ist nicht bekannt.

Ausgewählte ING-Kunden mit mehr als 50.000 Euro auf Giro-, Tages- oder Festgeldkonten sehen in ihrem Online-Banking-Portal nun die Option "Videoberatung buchen". Wer diese anklickt, wird mit einem von zunächst zwölf Beratern aus Fleisch und Blut verbunden. Weniger vermögenden Kunden steht im Rahmen einer Kooperation mit dem Robo-Platzhirsch Scalable Capital eine digitale Vermögensberatung zur Verfügung. "Unser neues Angebot richtet sich an die absoluten Börsenanfänger", sagt Llano im "Handelsblatt". "Sie müssen am Ende nicht mehr auswählen zwischen mehreren Produkten. Stattdessen empfiehlt ihnen ING ein passendes Einstiegsprodukt." Konkret wird es sich dabei um einen von sieben Dachfonds handeln, mit einer Jahresgebühr von 0,99 Prozent. Depot- und Orderkosten sollen nicht anfallen.

Welche Kundengruppe darf's denn sein?
Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Bestandskunden im Brokerage-Geschäft bei der ING um 300.000 gestiegen. "Wir erwarten, dass sich diese Entwicklung 2021 fortsetzt", sagt Llano. Die Zeichen dafür stehen gut: Allein im ersten Quartal hat die Zahl der hauseigenen Depots um rund 100.000 auf knapp 1,8 Millionen zugenommen. Mit dem neuen "Anlage-Coaching" will das Institut noch mehr Sparkunden fürs Investieren gewinnen – und nimmt dafür auch die umfangreichen Dokumentationspflichten und Haftungsfragen in Kauf, die mit einer persönlichen Wertpapierberatung einhergehen.

Im Markt dürfte der Vorstoß der ING genau beobachtet werden. Direktbanken stehen sowohl zueinander im Wettbewerb als auch verstärkt mit Neo-Brokern wie Trade Republic oder Smartphonebanken wie N26. Im Kampf um die Kunden gehen die Institute unterschiedliche Wege: Während die ING nun auf "Coaching" setzt, hat die Consorsbank ihre Anlageberatung im vergangenen Jahr eingestellt. Laut "Handelsblatt" will die BNP-Paribas-Tochter verstärkt junge, selbstbewusste Trader zu sich locken. "Wir behalten den Weg des profitable Wachstums bei. Beratung brauchen wir dafür nicht", erklärt Consorsbank-Co-Chef Sven Deglow in dem Wirtschaftsblatt. (fp)