Immer mehr Kreditinstitute ziehen Konsequenzen aus dem aufseheneregenden Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zu Kontogebühren. Nach der Sparkasse Köln-Bonn nimmt nun auch die Sparkasse Siegen eine von langer Hand geplante Verteuerung zumindest in Teilen zurück. Wie die "Westfalenpost" berichtet, stellt das Geldhaus die Girokonten seiner Privatkunden nun doch nicht zum 1. Juli automatisch auf neue, teils luxuriös bepreiste Versionen um. Die neuen "S-Vita-Konten", die zwischen 9,90 und 34,90 Euro pro Monat kosten (also bis zu 418,80 Euro im Jahr!), werden zwar im Juli eingeführt. Zugleich führt die Sparkasse im Siegerland aber, anders als ursprünglich geplant, auch ihre bisherigen Girokonten weiter. Das "S-Giro.de" genannte Basisangebot soll demnach weiterhin sechs Euro pro Monat kosten.

Der BGH hatte geurteilt, dass Banken ohne eine schriftliche Reaktion ihrer Kunden keine "Verwahrentgelte" oder anderen Gebühren für Einlagen per lapidarer AGB-Änderung fordern dürfen. Das Ausbleiben eines Einspruchs von Kundenseite dürfe demnach nicht als stillschweigende Zustimmung gewertet werden. Die Bankenbranche zeigt sich durch das Urteil verunsichert: Mehrere Institute haben auf angekündigte Gebührenerhöhungen verzichtet. Andere, etwa die Commerzbank oder die Postbank, wollen sie trotz des Urteils vornehmen – allerdings nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Kunden. Pech übrigens für Kunden der Sparkasse Siegen, die sich bereits für eines der kostspieligeren Kontomodelle entschieden haben: Ihre Konten werden zum 1. Juli dann doch auf die neue Variante umgestellt. (fp)