Big Tech und Krypto-Firmen finanzieren Trumps "königlichen" Ballsaal
Ein Prestigeprojekt mit Sprengkraft: US-Präsident Donald Trump lässt am Weißen Haus einen prunkvollen Ballsaal errichten. Finanziert wird das 300-Millionen-Dollar-Projekt von großen Konzernen – das sorgt erneut für Diskussionen über mögliche Interessenkonflikte.
US-Präsident Donald Trump treibt den Bau eines neuen Ballsaals mit Kosten von mindestens 300 Millionen US-Dollar auf dem Gelände des Weißen Hauses voran. Für das repräsentative, aber politisch umstrittene Vorhaben sammelt er Spenden aus der Wirtschaft.
Trump beauftragte seine ehemalige Finanzdirektorin Meredith O'Rourke, um Gelder für das Vorhaben einzusammeln. Sie und ihr Team werben bei Unternehmen und Konzernchefs, die bereits Trumps Wahlkampf 2024 und seine Amtseinführung finanziert hatten, berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. O'Rourke knüpft Kontakte zu republikanischen Lobbyisten und deren Klienten, um Spenden für das Projekt zu gewinnen, das Trump als "sein Geschenk an das Land" bezeichnet.
Spenden von Tech-Giganten und Krypto-Firmen
Zu den bisherigen Unterstützern gehören laut dem Weißen Haus einige der größten Technologieunternehmen der Welt – darunter Amazon, Microsoft, Google und Meta – sowie die Krypto-Firmen Coinbase, Ripple Labs und Tether Holdings. Auch langjährige Trump-Spender wie Blackstone-Chef Steve Schwarzman und Miriam Adelson, Witwe und Erbin des Casinomagnaten Sheldon Adelson, zählen zu den Geldgebern.
Die Spenden fließen an den "Trust for the National Mall", eine gemeinnützige Organisation, die mit dem "National Park Service" zusammenarbeitet und historische Wahrzeichen restauriert und erhält. Der Trust muss die Namen seiner Spender nicht offenlegen, diese können ihre Beiträge steuerlich absetzen.
Kritik an möglichem politischen Einfluss großer Geldgeber
Viele der beteiligten Firmen stehen in direktem Austausch mit der US-Regierung – sei es über staatliche Aufträge, laufende Kartellverfahren oder nicht genehmigte Fusionen. "Das ist der Pay-to-Play-Raum", sagte Richard Painter, ehemaliger Chefjurist für Ethik im Weißen Haus unter Präsident George W. Bush. "Diese Unternehmen wollen Regierungsaufträge und regulatorische Zugeständnisse."
Karoline Leavitt, Pressesprecherin des Weißen Hauses, wies den Vorwurf zurück. "Die gleichen Kritiker, die fälschlicherweise Interessenkonflikte unterstellen, würden sich beschweren, wenn die Steuerzahler die Kosten tragen müssten", erklärte sie. Die Spender kämen aus "den unterschiedlichsten amerikanischen Branchen" und unterstützten ein Projekt, das "das Weiße Haus über Generationen verbessern" solle.
"Dankbar, die Vision des Präsidenten unterstützen zu dürfen"
Weder das Weiße Haus noch die beteiligten Unternehmen haben konkrete Summen genannt.
T-Mobile US bestätigte eine Spende an den Trust, betonte jedoch, keinen Einfluss darauf zu haben, wie die Mittel verwendet werden. Auch Coinbase und Microsoft bestätigten ihre Beteiligung, während Meta erklärte, keine "weiteren Details" mitzuteilen.
Der Rüstungskonzern Lockheed Martin teilte mit, man sei "dankbar, die Vision des Präsidenten unterstützen zu dürfen" und sehe den Ballsaal als "Symbol amerikanischer Ideale".
"Einige meiner Freunde waren sehr großzügig"
Bei einem Spendendinner am 15. Oktober im Weißen Haus, an dem führende Manager und republikanische Großspender teilnahmen, erklärte Trump, er habe bereits "alle benötigten Mittel" zusammen. "Einige meiner Freunde waren sehr großzügig", sagte Trump. "Ein paar fragten: 'Herr Präsident, wären 25 Millionen Dollar angemessen?' Ich sagte: 'Ich nehme sie.'"
Vor wenigen Tagen begann der Abriss des Ostflügels, um Platz für den neuen Ballsaal zu schaffen. Der Bau soll laut Trump rund 8.400 Quadratmeter groß sein und 1.000 Gäste fassen. Die ursprünglichen Kostenschätzungen stiegen von 200 auf bis zu 350 Millionen Dollar. Auch Trump selbst wolle sich finanziell beteiligen, hieß es, genaue Beträge wurden jedoch nicht genannt.
Unternehmen mit Regierungsinteressen unter den Spendern
Zahlreiche Technologie- und Industrieunternehmen, die spenden, haben laufende Verfahren oder Anträge bei US-Behörden. Apple profitierte etwa im April davon, dass Smartphones von Trumps Zöllen ausgenommen wurden, steht aber gleichzeitig wegen Kartellvorwürfen unter Druck.
Die Federal Trade Commission (FTC) verklagte Meta, weil das Unternehmen eine "illegale Monopolstellung" im Social-Media-Bereich innehabe. Laut Insidern soll CEO Mark Zuckerberg Trump persönlich gedrängt haben, Europa wegen seiner Digitalsteuern stärker unter Druck zu setzen.
"Regierung, die ethische Standards ad absurdum führt"
"Die Tech-Giganten haben sich ihren Platz am Tisch des Präsidenten gekauft – und sie finanzieren diesen Tisch mit Millionenbeträgen", sagte Sacha Haworth, Direktorin des Tech Oversight Project. "Apple, Meta, Amazon und Google finanzieren Prunk und Prestige für eine Regierung, die ethische Standards ad absurdum führt."
Laut Gerichtsunterlagen spendete Google 22 Millionen Dollar an den "Trust for the National Mall" – im Rahmen einer Vergleichsvereinbarung, nachdem Trump 2021 von Youtube verbannt worden war. Das war mehr als doppelt so viel wie die gesamten Spenden des Trusts im Jahr 2024.
Weitere Spender mit offenen Geschäften in Washington
Neben dem größten Kabelnetzbetreiber Comcast, der über eine mögliche Übernahme von Warner Bros. Discovery nachdenkt, gehört auch die Bahngesellschaft Union Pacific, die eine Fusion mit Norfolk Southern anstrebt, zu den Unterstützern. Das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton, ein weiterer Spender, hat kürzlich Stellen abgebaut, nachdem die Regierung ihre Ausgaben für Beratungsleistungen gekürzt hatte.
Krypto-Firmen wie Coinbase, Ripple und Tether setzen sich unterdessen für neue Gesetze zur Marktstruktur ein, die der Branche zugutekommen würden. Die Krypto-Lobby spielte bereits bei den Wahlen 2024 eine zentrale Rolle und investierte Millionen in wichtige Wahlkämpfe.
Auch Rüstungsunternehmen beteiligen sich an dem Projekt. Beispielsweise gehören auch Lockheed Martin und Palantir Technologies zu den Spendern, die sich derzeit um Milliardenaufträge der Regierung bemühen. (mb/Bloomberg)















