Der überraschende Demnächst-Abschied von Bundeskanzlerin Angela Merkel als Vorsitzende der CDU beschäftigt auch den weltgrößten Fondsanbieter. Grund: Friedrich Merz, Aufsichtsratschef von Blackrocks deutscher Tochter, hat sich als Kandidat für den CDU-Parteivorsitz ins Spiel gebracht. Im Fall seines Wahlsieges wird der Multi-Kontrolleur (Merz sitzt unter anderem im Aufsichtsgremium der Düsseldorfer Privatbank HSBC, beim sauerländischen Papierproduzenten Wepa, beim Betreiber des Flughafens Köln-Bonn und beim Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail) aus Hygienegründen auch den Posten bei Blackrock aufgeben. 

Allerdings bedeutet das nicht automatisch das Ende der Zusammenarbeit. "Blackrock und Friedrich Merz pflegen weiterhin eine hervorragende Beziehung. Er bleibt Aufsichtsratsvorsitzender von Blackrock in Deutschland. Wenn er nicht Vorsitzender der CDU wird, würden wir es sehr begrüßen, wenn er weiterhin mit Blackrock zusammenarbeitet", sagte Konzernchef Larry Fink laut übereinstimmenden Medienberichten.

Stellvertreter würden Merz Aufgaben übernehmen
Bekannt ist aber, wie es in dem Falle einer Wahl von Merz an der Spitze von Blackrock Deutschland weitergehen wird. Im dreiköpfigen Aufsichtsrat von Blackrock Deutschland, dem Merz seit 2016 vorsteht, sollen dem "Handelsblatt" zufolge vorübergehend die beiden anderen Aufsichtsräte – Stephen Cohen, Leiter des Geschäfts mit börsennotierten Indexfonds in Europa, und Stacey Mullin, oberste Investorin (COO) in Europa – seine Rolle übernehmen.

Der Abgang von Merz würde den größten Asset Manager der Welt hart treffen. Der ehemalige Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der das Amt 2002 nach zwei Jahren an Angela Merkel abtreten musste, habe sich bei Blackrock sehr verdient gemacht und für ein positives Öffentlichkeitsild der Gesellschaft gesorgt. So sei er energisch Angriffen von Gruppen entgegengetreten, die die vermeintliche Einflussnahme des Finanzriesen auf die Strategien deutscher Unternehmen und dessen Geschäftsbahren kritisch beurteilen. Blackrock sei "keine Heuschrecke, das ist kein Private Equity, das ist ein Vermögensverwalter. Ich fühle mich da ausgesprochen wohl mit", zitiert ihn das Handelsblatt. Die Firma verwalte das Vermögen von Hunderttausenden Kunden – treuhänderisch. Da gebe es "keinerlei Konfliktlage". (jb)