Christian Machts, seit Anfang 2013 Leiter des Retailgeschäfts von Blackrock in Deutschland, Österreich und Osteuropa, verlässt den US-Vermögensverwalter, um beim Wettbewerber Fidelity International anzuheuern. Entsprechende Informationen von FONDS professionell ONLINE bestätigten Sprecher beider Unternehmen am Mittwoch auf Anfrage.

Der 42-Jährige wird ab 1. April das Wholesale-Geschäft von Fidelity in Deutschland leiten und in dieser Funktion den Fondsvertrieb über Banken, Vermögensverwalter, Versicherer und Finanzberater verantworten. Er wird Teil der Geschäftsführung der Fondsgesellschaft und an Deutschlandchef Alexander Leisten berichten.

Machts übernimmt damit im Wesentlichen die Aufgaben des ehemaligen Vertriebschefs Claude Hellers, der Fidelity im Sommer 2018 verlassen hatte. Darüber hinaus soll er für Fidelity in ganz Europa ein Konzept für strategische Partnerschaften mit Banken und anderen Kunden entwickeln und vorantreiben. Dabei wird er eng mit Christophe Gloser, Head of Wholesale Continental Europe, zusammenarbeiten, heißt es bei Fidelity. Machts hatte für Blackrock in Deutschland mehrere entsprechende Kooperationen geschlossen, unter anderem mit der Commerzbank (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Peter Scharl übernimmt bei Blackrock auch das Retail-Segment
Machts Nachfolge bei Blackrock ist bereits geklärt: Peter Scharl, bislang Leiter der ETF-Sparte iShares in Deutschland, Österreich und Osteuropa, verantwortet ab sofort zusätzlich das Retail-Geschäft in dieser Region. "Die Retail- und iShares-Teams in Frankfurt, München und Wien werden an ihn berichten", heißt es in einer internen Mitteilung, die FONDS professionell ONLINE vorliegt.

Der Wechsel Machts' dürfte Blackrock nicht ungelegen kommen, da sich der Vermögensverwalter dadurch eine Führungsposition einsparen kann: Der New Yorker Asset Manager hatte jüngst ein Kostensenkungsprogramm samt Stellenabbau verkündet, das auch die deutschen Blackrock-Büros trifft. Die Sparvorgaben seien jedoch keinesfalls ursächlich für den Umbau der Führungsstruktur in Frankfurt, heißt es aus dem Unternehmen. Ziel sei vielmehr, das Geschäft mit aktiven und passiven Fonds aus einer Hand zu führen, um dem geänderten Kundenverhalten besser Rechnung zu tragen.

Abflüsse aus Publikumsfonds
Bei Fidelity wartet keine leichte Aufgabe auf Machts. 2017 musste der Anbieter im Geschäft mit Publikumsfonds in Deutschland Nettomittelabflüsse von 276,3 Millionen Euro verkraften, zeigt die Investmentstatistik des Branchenverbands BVI. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres zogen Anleger weitere 116,1 Millionen Euro ab. Das in Deutschland abgesetzte Vermögen in Publikumsfonds lag Ende September 2018 bei 14,3 Milliarden Euro. Aktuellere Zahlen gibt es nicht, weil Fidelity dem BVI keine Zahlen mehr meldet. Vor einem Jahr strukturierte der Fondsanbieter seinen Wholesale-Vertrieb in Deutschland um, was drei Sales-Profis den Job kostete und für Unruhe im Team sorgte.

Fidelity betonte in der Vergangenheit stets, dass die BVI-Zahlen nicht das gesamte Geschäft des Anbieters in Deutschland widerspiegeln. Das Haus hat fünf Geschäftsbereiche: Neben dem Wholesale-Vertrieb von Publikumsfonds gibt es Sparten für die betriebliche Altersvorsorge und institutionelle Investoren. Hinzu kommen ein Direktgeschäft mit Endkunden, das jüngst durch eine hauseigene digitale Vermögensverwaltung gestärkt wurde, und die Fondsbank FFB. In Summe betreut das Unternehmen eigenen Angaben zufolge in Deutschland aktuell rund 42,5 Milliarden US-Dollar (37,3 Mrd. Euro).

Blackrock neu positioniert
Bei Blackrock konnte Machts beweisen, dass er in der Lage ist, ein Vertriebsteam neu aufzustellen und die Wahrnehmung eines Asset Managers im Markt zu verändern: Vor seinem Einstieg war Blackrock in Deutschland vor allem für seine Aktien- und Rohstoffexpertise bekannt gewesen, mittlerweile gilt der Anbieter als einer der führenden, breit aufgestellten ausländischen Asset Manager am Markt – und auch im Retail-Segment als ernstzunehmender Wettbewerber der "großen Vier" DWS, Allianz Global Investors, Union Investment und Deka. (bm)