Gemeinsam mit zwei Kollegen betreiben André Bajorat, Rafael Otero und Jochen Siegert seit rund einem Jahrzehnt den Blog "Payment & Banking", der in der Branche hohes Ansehen genießt. Seit dem vergangenen Jahr arbeiten die Digitalisierungsexperten, die zuvor mehrere Fintechs gegründet oder geleitet hatten, in führenden Positionen für die Deutsche Bank. Ihren Blog betreiben sie weiterhin. Außerdem können sie von – unabhängig von Covid-19 – von zu Hause aus arbeiten. Hat das Trio also gut verhandelt?

"Wenn es nicht möglich gewesen wäre, den Blog und das Konferenzgeschäft weiter zu betreiben, hätte ich die Aufgabe nicht übernommen", sagt Bajorat im Interview mit FONDS professionell, das in voller Länge in Ausgabe 1/2021 erschienen ist. "Das ist für mich ein Ventil, das ich benötige. Ich benötige die Möglichkeit, Artikel zu schreiben und Podcasts aufzunehmen. Vielleicht ist das für den einen oder anderen in der Bank etwas verwirrend." Und die Standortfrage sei in der heutigen Zeit ebenfalls nicht mehr relevant.

"Vorher hatten wir ebenfalls keine Halbtagsjobs, sondern anspruchsvolle Positionen im Management, und betrieben den Blog auch schon", ergänzt Siegert. "Als Geschäftsführer eines Fintechs gab es auch keinen Nine-to-five-Job. Da arbeitete man noch viel mehr, denn Zeit und Geld sind bei Start-ups immer knapp." Vielleicht sei es unüblich, dass Menschen aus der Bank jetzt über Themen sprechen, die nicht originär mit der Bank zu tun haben. "Aber für uns ist es nicht neu, in unserer Freizeit nebenher zu bloggen und zu podcasten", so Siegert.

"Die Arbeitsweise ist ein bisschen in den 1990-ern und 2000-ern hängen geblieben"
Und was hat sich mit Blick auf den Arbeitsalltag verändert – jetzt, da sie in der Maschinerie einer deutschen Großbank angekommen sind, die an lange Entscheidungswege und viele Hierarchieebenen denken lässt? "Die Hierarchieebenen nehmen wir nicht unbedingt wahr", sagt Otero. "Vielleicht liegt es auch daran, dass wir nah an der Sonne sind, was nicht unbedingt nur gut ist."

Definitiv verändert habe sich die Arbeitsumgebung, beispielsweise der dauernde Austausch von E-Mails, mit Anhängen und vielen "Final-"Versionen. "E-Mail-Anhänge ignorieren wir konsequent", sagt Otero. "Man muss den Leuten beibringen, dass es Tools gibt, die das Arbeiten vereinfachen und es ermöglichen, gemeinsam im Browser an demselben Dokument zu arbeiten." Es gebe zwar schon gute Messaging-Systeme in der Bank. "Allerdings dauert es manchmal länger als man denkt, die Leute davon zu überzeugen", so Otero. "Die Arbeitsweise ist ein bisschen in den 1990-ern und 2000-ern hängen geblieben. Aber die Organisation beschleunigt."

Bajorat zufolge ist den "Payment & Banking"-Kollegen klar, "dass das Thema Schulterklappen in der Bank sehr wichtig ist". Aber: "Ich hatte noch keine Situation in der Bank, wo ich dachte, jetzt muss ich die Hacken zusammenschlagen. Wir haben alle gewisse Erfahrungen, sind keine 30 mehr und besitzen auch das ein- oder andere graue Haar." Das helfe, sich im Arbeitsalltag nicht für jede Sache durchkämpfen zu müssen. "Wir können vernünftig mit den Leuten reden, und die nehmen einen auch ernst." (mh/bm)


Das vollständige Interview mit André Bajorat, Rafael Otero und Jochen Siegert lesen Sie in FONDS professionell 1/2021 ab Seite 378 oder hier im E-Magazin (Anmeldung erforderlich).