BNP Paribas Asset Management verwaltet mehr als 500 Milliarden Euro und zählt damit zu Europas größten Fondsanbietern. Wer an ausländische Asset Manager denkt, die in Deutschland besonders aktiv sind, dem fallen dennoch zunächst andere Namen ein. Woran liegt das? "Unser Haus hatte sich in Deutschland in der Vergangenheit stark auf die Zusammenarbeit mit professionellen Investoren konzentriert, seien es institutionelle Investoren oder Dachfondsmanager", erläutert Hagen Schremmer, der das Deutschlandgeschäft des Asset Managers seit Juni 2020 leitet, im Interview mit FONDS professionell, das in voller Länge in Ausgabe 4/2021 erschienen ist. "Die Bekanntheit im Retail-Publikum hält sich tatsächlich in Grenzen, aber ich arbeite daran, das zu ändern."

Schremmer zufolge dürfte das inzwischen geschärfte Profil des Fondsanbieters bei diesem Vorhaben helfen. "Wir stehen mittlerweile für einige Themen, die absolut retailfähig sind, also gewissermaßen für den Breitensport taugen", sagt er. "Darum haben wir Ambitionen, in diesem Bereich deutlich zu wachsen – und ich bin auch sehr optimistisch, dass wir das erreichen können."

Vom Wachstum der Bankengruppe profitieren
Der Asset Manager wolle unter anderem "vom guten Kundenzugang anderer Geschäftsbereiche" der Bank profitieren. Die BNP-Paribas-Gruppe sei in Deutschland in den vergangenen Jahren signifikant gewachsen, sei es im Wealth Management, mit Marken wie Consors oder der DAB oder im Firmenkundengeschäft. "Daraus ergeben sich zahlreiche Optionen", betont Schremmer. "Was mich nach meinem Start hier wirklich positiv überrascht hat, ist die Tatsache, wie gut das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Geschäftsbereichen klappt – der eine öffnet die Tür für seine Kollegen. Das ist nicht in jeder Bank so." Schremmer hatte zuvor 20 Jahre bei der Deutschen-Bank-Gruppe gearbeitet, zuletzt als Leiter des Retail- und Wholesale-Geschäfts der DWS in Deutschland und Österreich.

Im Wholesalesegment möchte Schremmer insbesondere mit zwei Aspekten punkten: Nachhaltigkeit und Themenfonds. Bei der nachhaltigen Geldanlage "können wir glaubhaft auf eine lange Historie verweisen und fühlen uns im Vergleich zu unseren Mitbewerbern wirklich gut aufgestellt", betont der Länderchef. Das gleiche gelte für den Bereich der Themenfonds. "In diesem Segment gehören wir zu den führenden Anbietern", sagt Schremmer. "Beide Bereiche greifen ineinander: In Summe verwalten wir mittlerweile 32 Milliarden Euro in Themenfonds, davon werden 26 Milliarden nachhaltig gemanagt." Als Beispiele nennt er Strategien wie Energy Transition, Ecosystem Restoration, Smart Food oder Climate Impact. Diese hätten sich in letzter Zeit einer "sehr hohen Nachfrage" erfreut.

Nachhaltige Themenfonds für Sparkassen und Volksbanken
Abseits der konzerninternen Vertriebskanäle wittert Schremmer beispielsweise im Geschäft mit Volksbanken und Sparkassen Chancen. "Für diesen Bereich haben wir jüngst zwei neue Kollegen an Bord geholt", berichtet der Vertriebsprofi. BNP Paribas AM kooperiert auch mit der Plattform "BIS.on WMS", mit der Dericon und Nord-LB den Sparkassen den Vertrieb von Drittfonds vereinfachen wollen. "Das ist ein erster wichtiger Schritt, damit die Berater in den Sparkassen vor Ort bequem alle benötigten Daten zur Hand haben, um unsere Fonds problemlos vertreiben zu können", sagt Schremmer. "Ich sehe im Geschäft mit den Sparkassen ein großes Potenzial. Uns ist aber klar, dass wir erst am Anfang einer längeren Reise stehen."

Würde es überhaupt gelingen, mit zwei Kollegen eine flächendeckende Vertriebsunterstützung für Hunderte Sparkassen und Volksbanken zu bieten? Nicht, wenn man sich als "Rund-um-Anbieter für alle Assetklassen und Fondstypen" positionieren wolle, räumt Schremmer ein. "Wir möchten aber – zumindest am Anfang – als Spezialanbieter mit unseren nachhaltigen Themenfonds wahrgenommen werden. Dieses überschaubare Segment lässt sich auch mit einem kleinen Team betreuen." (bm)


Das vollständige Interview mit Hagen Schremmer ist in FONDS professionell 4/2021 ab Seite 336 erschienen. Angemeldete Nutzer können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.