Wer Erfolg hat, der wird angefeindet. Das weiß auch die Berenberg Bank: Das Hamburger Geldinstitut war 2016 bei 96 Prozent aller Aktienplatzierungen, die neu in Deutschland, Österreich und der Schweiz an die Börse gebracht wurden, mit von der Partie. Seit 2014 liegt Berenbergs Marktanteil am Emissionsvolumen bei 60 Prozent. Darunter waren auch große Börsengänge wie Innogy (4,6 Mrd. Euro) oder Rocket Internet (1,4 Mrd. Euro), wie die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)" schreibt.

Böse Zungen behaupten daher laut der Zeitung, dass hier angesichts der vergleichsweise geringen Größe der Privatbank nicht alles mit rechten Dingen zugehen könne. Gerüchten zufolge solle die Bank etwa Privatkunden die neuen Aktien ohne deren Wissen in die Depots legen. Dem tritt Oliver Diehl, der das Kapitalmarktgeschäft Berenbergs von Frankfurt aus leitet, entschieden entgegen. "Privatkunden partizipieren nicht an Aktienneuemissionen", sagte er der FAZ.

Gute Kontakte zu Fondsgesellschaften
Er führt die Stärke der Bank auf ihre Kontakte zu Anlegern zurück. "Wer sind die Aktienkäufer bei Börsengängen?", fragt Diehl und beantwortet die Frage in einem Gespräch mit der Zeitung gleich selbst: "Kapitalsammelstellen in Europa und Amerika. 750 Investoren haben bei uns ein Konto eröffnet, nicht nur die ganz großen, sondern auch kleine, aktiv gemanagte Aktienfonds, die manchmal an Börsenneulingen interessiert sind." Gerade kleine Fondsgesellschaften entschlössen sich laut Diehl oft sehr früh, ein Angebot abzugeben, und brächten so Schwung in einen Börsengang. "Diese 750 Investoren sprechen wir immer an, wenn wir Unternehmen an die Börse führen und Aktien plazieren", zitiert ihn die FAZ.

Diehl führt aber noch andere Gründe an. So habe Berenberg seit Ausbruch der Finanzkrise im Investmentbanking expandiert wie kaum eine andere deutsche Bank. Die Zahl der Mitarbeiter insgesamt stieg allein im vergangenen Jahr von 1.333 auf 1.506. "Mit 100 Aktienanalysten und rund 65 Mitarbeitern im Aktienvertrieb haben wir die größte Vertriebsmannschaft für europäische Aktien weltweit", sagt Diehl der FAZ. Damit könne man auch mittelgroße Anleger intensiv betreuen – nicht nur die 100 größten, um die ohnehin alle Banken wetteifern. Schließlich beurteilten Berenbergs Analysten derzeit immerhin 650 Aktienwerte. "Das öffnet uns wiederum Türen zu den Unternehmen, die neue Aktien durch einen Börsengang oder eine Kapitalerhöhung verkaufen wollen."

Kooperation mit der Bayern LB trägt Früchte
Durch die 2015 geschlossene Kooperation mit der Bayern LB komme die Privatbank zudem auch an große Kunden: Die Bilanz einer Bank spiele laut der Zeitung eine Rolle bei der Auswahl, welche Banken zum Börsengang als Berater ausgewählt werden. Große Unternehmen haben Kreditbeziehungen zu einer Vielzahl an Investmentbanken. Berenberg dagegen betreibt mit seiner Bilanzsumme von 4,7 Milliarden Euro nur ein überschaubares Kreditgeschäft. Die Chancen seien daher gering, über die Kreditbeziehung an große Börsengänge heranzukommen, sagt Diehl gegenüber der FAZ.

Durch die Bayern LB, die Kredite an eine Vielzahl von Dax-Unternehmen vergibt, sei man aber etwa ins Bankenkonsortium gelangt, als RWE 2016 seine Tochtergesellschaft Innogy an die Börse brachte – mit 4,6 Milliarden Euro das umfangreichste IPO seit fünfzehn Jahren. (jb)