Der Finanzvertrieb Bonnfinanz hat nach der Übernahme durch die französische Private-Equity-Gesellschaft Blackfin Capital Partners eine Wachstumsinitiative angekündigt. "Wir möchten die Zahl der Vertriebspartner deutlich erhöhen: Ende 2018 waren es 511, jetzt streben wir mindestens 600 an", sagte Vorstandschef Martin Lütkehaus. "Auch anorganisches Wachstum durch die Akquisition von Vertriebsgesellschaften oder-netzen ist eine Option."

Die 1970 gegründete Bonnfinanz ist der nach eigenen Angaben älteste Allfinanzvertrieb in Deutschland. Von 2002 bis Ende März 2019 gehörte die Gesellschaft zur Zurich-Gruppe. Die Entscheidung des Versicherers, sich von der Bonnfinanz zu trennen, "war im zweiten Halbjahr 2018 für Innen- wie Außendienst eine große Herausforderung", heißt es in einer Pressemitteilung. Der neue Eigentümer aus Paris, der 800 Millionen Euro in drei Beteiligungsfonds verwaltet, stellt dem zuletzt im Trend schrumpfenden Unternehmen jedoch Geld für Wachstumsprojekte zur Verfügung, weshalb Lütkehaus den Einstieg des Investors begrüßte.

Das Fondsangebot soll wachsen
Der Bonnfinanz-Chef möchte das Profil seines Unternehmens als "Qualitätsvertrieb im Allfinanzsegment" stärken. Für junge Vertriebspartner möchte die Gesellschaft deshalb unter anderem eine DIHK-zertifizierte Ausbildung zum Finanzplaner anbieten.

Das Unternehmen soll auch künftig als Mehrfachagent agieren, also mit verschiedenen Produktpartnern kooperieren. Die "Premium-Produktauswahl" soll jedoch "weiterentwickelt" werden. Konkret soll das Angebot an Kapitalanlagen und Investmentfonds steigen und die Vermögensverwaltung mit der Augsburger Aktienbank ausgebaut werden. Bei den Versicherungen möchte die Bonnfinanz weiterhin eng mit ihrer einstigen Muttergesellschaft Zurich zusammenarbeiten.

Die "gesamte Software-Landschaft" wird erneuert
Investiert werden soll auch in die digitale Plattform, um den Vertriebspartnern die Beratung zu erleichtern. "In einem Zeithorizont von zwölf bis 24 Monaten erneuert das Unternehmen die gesamte Software-Landschaft", heißt es in der Pressemitteilung.

Das vergangene Geschäftsjahr lief vergleichsweise gut: Die Provisionserlöse legten 2018 um 1,8 Prozent auf 60,7 Millionen Euro zu. Das Betriebsergebnis verbesserte sich um 28 Prozent auf 6,4 Millionen Euro, das Ergebnis vor Steuern um 26 Prozent auf 5,7 Millionen Euro. Im Schnitt lag das Provisionsvolumen je Vertriebspartner bei mehr als 100.000 Euro. Kai Wilhelm Franzmeyer, Aufsichtsratschef der Bonnfinanz und verantwortlich für das Geschäft von Blackfin in Deutschland, Österreich und der Schweiz, bezeichnete die Zahlen als "gute Grundlage, um jetzt umfassend in Wachstum zu investieren". (bm)