Aus Fonds wird ETF – so oder so, meint Branchenprofi
In den USA konvertieren immer mehr Asset Manager bestehende Fonds in ETFs, in Deutschland schichten dagegen die Kunden selbst in ETFs um. Wie auch immer: Mathias Beil von der Sutor Bank sieht ETFs als das Vehikel der Zukunft.
ETFs lösen mehr und mehr klassische Investmentfonds ab. Während dies in Deutschland vor allem durch Mittelumschichtungen geschieht, werden in den USA ganze Fonds umgewandelt, erklärt Mathias Beil, Leiter Private Banking bei der Sutor Bank: "Damit gehen in den USA Anbieter den Weg, den die Anleger hierzulande vorgeben." Denn das Ziel sei immer: geringere Kosten und mehr Handelsmöglichkeiten.
Eine Revolution der Produktpalette
In den USA sei dieser Wandel bereits auf Produktebene sichtbar, sagt Beil und verweist auf Zahlen von Morningstar: Seit 2021 wurden demnach in den USA 203 klassische Publikumsfonds in ETFs umgewandelt. Allein 2025 gab es 60 Konversionen, 31 Fondsgesellschaften waren daran beteiligt. "Und das Volumen ist beträchtlich", sagt Beil. "Mehr als 260 Milliarden US-Dollar wurden bislang auf diesem Weg in ETF-Strukturen überführt. In den USA sehen wir keinen schleichenden Wandel mehr, die Fondsgesellschaften bauen ihre Produktpaletten um", sagt Beil. "Das ist eine strukturelle Veränderung des Marktes."
Die Nachfrage der Anleger unterstützt diese Entwicklung. Im ersten Quartal 2026 flossen demnach mehr als 500 Milliarden Dollar in die in den USA zugelassenen ETFs. Das war der höchste Wert, der je in einem Quartal erreicht wurde. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Plus von 17 Prozent, so der Leiter Private Banking. "Die nächste Konversionswelle ist bereits absehbar", sagt Beil. Weitere US-Anbieter hätten für die zweite Jahreshälfte 2026 Umwandlungen angekündigt.
Deutschland: Umschichten statt Umwandeln
In Deutschland sieht die Entwicklung anders aus. "Eine direkte Umwandlung klassischer Publikumsfonds in ETFs ist rechtlich nicht so einfach möglich wie in den USA", so Beil. "Deshalb gibt es hier keine vergleichbare Konversionswelle auf Produktebene." Doch beim Kapital zeige sich eine ähnliche Richtung. Nach Daten des BVI flossen im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 51,8 Milliarden Euro in Publikumsfonds. Davon entfielen 39,6 Milliarden Euro auf ETFs. Damit kamen 76 Prozent der Nettozuflüsse ETFs zugute. Im zweiten Quartal 2026 flossen von jedem neu investierten Euro in Publikumsfonds 96 Cent in ETFs.
"Deutschland hat keine große Konversionswelle bei den Fonds", sagt Beil. "Das übernehmen die Anleger mit ihrer Nachfrage." Gelder werden aus klassischen Fonds abgezogen und in ETFs gesteckt. "Das Ergebnis ähnelt dem in den USA, nur der Weg dorthin ist ein anderer", sagt Beil. Damit stünden die Fondsgesellschaften auf beiden Seiten des Atlantiks vor derselben Frage. Wie reagieren sie auf eine Nachfrage, die sich immer stärker in Richtung ETF verschiebt?
Handel und Wandel
In den USA können Anbieter bestehende Fonds in eine ETF-Struktur überführen. Das bestehende Vermögen bleibt damit im Produkt. In Deutschland bleiben bestehende Fonds erhalten, bekommen aber nicht mehr viel neues Kapital. Bleiben Zuflüsse aus, sinkt ihre Bedeutung im Neugeschäft. Dabei bedeute ETF nicht automatisch passives Investieren. Gerade in den USA würden auch aktive Strategien in eine ETF-Hülle übertragen, so Beil, und auch in Deutschland gewinnen aktive ETFs an Beliebtheit bei den Anlegern. Der Wettbewerb verschiebe sich damit von der Frage aktiv oder passiv zunehmend zur Frage, welche Produktstruktur Anleger bevorzugen.
"Der ETF gewinnt nicht nur als Indexprodukt, er gewinnt als Hülle", sagt Beil. "Das ist für die Fondsindustrie eine massive Veränderung, denn ETFs sind günstiger, es bleibt weniger Geld beim Fondsanbieter." Klassische Fonds werden aus Sicht von Mathias Beil nach und nach verschwinden, denn die bisherige Struktur biete Anlegern zu wenig Vorteile. (jh)














