Das System der Pensionseinrichtungen in Deutschland weist strukturelle Defizite auf, bei denen immer wieder Schieflagen mit dramatischen Folgen für die Mitglieder eintreten können. Das sagte Uwe Rieken, Vorstand von Faros Consulting, am Montag (12.1.) vor Journalisten in Frankfurt. Der Fall des Versorgungswerks der Zahnärzte aus Berlin, Brandenburg und Bremen (VZB), bei dem Rentnern Kürzungen ihrer Bezüge um zehn bis 20 Prozent drohen, erfülle ihn mit "brennender Sorge", denn er offenbare eine nicht ausreichende Governance einiger Altersvorsorgeeinrichtungen. 

Fehlende Professionalität 
Ein Problem sei die extreme Fragmentierung des deutschen Marktes mit zu vielen kleinen Einrichtungen, die nicht über die kritische Größe und ausreichend qualifiziertes Personal verfügten, um professionell zu arbeiten. Für solche Häuser seien Zusammenschlüsse oder eine Auslagerung des Kapitalanlageprozesses sinnvoll, so Rieken. 

Daneben mahnt er eine einheitliche Aufsicht der Einrichtungen an, die zurzeit auf Ebene der Bundesländer organisiert ist. "Landesrechtlicher Föderalismus ist hier definitiv nicht sinnvoll", erklärte Rieken. "Wir halten es daher im Interesse einer wirkungsvolleren Aufsicht für wünschenswert, die Überwachung für berufsständische Versorgungswerke zu vereinheitlichen." 

Ein deutscher "Myners-Report" 
Rieken fordert einen "deutschen Myners-Report" nach britischem Vorbild. In Großbritannien, das heute eine Pensions-Vorreiternation sei, habe der nach dem Finanzexperten Paul Myners benannte Report 2001 die Initialzündung für die Professionalisierung des Pensionswesens gegeben. "In Deutschland bräuchten wir ebenfalls eine solche Bestandsaufnahme, die die Fragmentierung des deutschen Pensionswesens in der Vielzahl der Durchführungswege, der regulatorischen Aufsicht und der Kapitalanlagevorschriften beschreibt und Optimierungspotenziale aufdeckt", so Rieken. "Der volkswirtschaftliche Nutzen wäre erheblich und ist im zweistelligen Milliarden-Euro-Bereich anzusiedeln." 

Ende vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass dem VZB ein Verlust von bis zu 1,4 Milliarden Euro droht, was mehr als der Hälfte des ursprünglichen Anlagevermögens von 2,2 Milliarden Euro entspricht. Betroffen sind rund 11.000 aktive Beitragszahler sowie 3.500 Rentner, denen Kürzungen ihrer Bezüge um zehn bis 20 Prozent in Aussicht gestellt wurden. Ursache ist eine über Jahre praktizierte hochriskante Anlagestrategie, die nach Angaben des neuen VZB-Vorstands massiv gegen gesetzliche und interne Richtlinien verstoßen hat. (dv)