Die EU-Kommission will die Rolle überprüfen, die die deutsche Finanzaufsicht Bafin beim Bilanzskandal des Zahlungsdienstleisters Wirecard gespielt hat. Das berichten verschiedene Medien, darunter der "Spiegel". Die Kommission hat daher die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) um eine Untersuchung gebeten, ob die Bafin bei der Kontrolle über Wirecard und deren angeschlossene Banktochter versagt und gegebenenfalls gegen EU-Recht verstoßen habe, sagte Kommissionsvize Valdis Dombrovskis den Berichten zufolge in einem Interview mit der "Financial Times". "Wir werden die ESMA bitten zu prüfen, ob es aufsichtsrechtliche Versäumnisse gegeben hat, und wenn ja, eine mögliche Vorgehensweise festlegen", wird Dombrovski zitiert. Er erwarte von der ESMA eine Antwort bis Mitte Juli.

Die Kommission hat laut Spiegel bereits ein entsprechendes Schreiben an die ESMA geschickt. Bis zum 15. Juli soll demnach ein vorläufiger Untersuchungsbericht vorliegen. Die europäische Aufsichtsbehörde sehe sich den Vorfall unter dem Gesichtspunkt an, dass EU-Anleger umfassend geschützt seien müssten, heißt es in dem Schreiben. Das sei auch wichtig für mögliche weitere Schritte.

Bundesfinanzminister Scholz steht zur Bafin
Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat ebenfalls angekündigt, Konsequenzen aus dem Wirecard-Skandal für die Finanzaufsicht Bafin ziehen zu wollen: "Auch hier müssen die Strukturen durchleuchtet, mögliche Fehler rasch identifiziert und sofort abgestellt werden", sagte der SPD-Politiker. Sein Haus werde daher in den nächsten Tagen ein Konzept ausarbeiten. "Die Bafin muss künftig in der Lage sein, Sonderprüfungen möglichst kurzfristig, schnell und effizient durchführen zu können", wird Scholz weiter zitiert.

Trotz der Ankündigung hat Scholz aber der Behörde seine Unterstützung zugesagt und stärkt nicht zuletzt deren Präsidenten Felix Hufeld den Rücken. "Ich bin dem Bafin-Chef für seine klaren Worte in dieser Angelegenheit dankbar und erwarte natürlich auch entsprechende Taten", sagte er weiter mit Verweis auf die Selbstkritik, die Hufeld vergangene Woche geäußert hatte.

In Großbritannein hat die dortige Finanzaufsicht FCA bereits erste Konsequenzen gezogen und der Wirecard-Tochter Card Solutions faktisch den Geschäftsbetrieb untersagt. Die Firma dürfe wegen der Insolvenz des Mutterkonzerns keine regulierten Aktivitäten ausüben und müsse ihre Kunden darüber informieren, teilte die FCA mit. Auch dürften keine Gelder abfließen. (jb)