Krypogeld macht staatlichen Währungen zunehmend Konkurrenz – und schürt damit auch Ängste. Nun warnt Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling explizit vor Facebooks Digitalwährung Libra. Diese könnte im Ernstfall sogar Finanzkrisen auslösen, so Wuermeling im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Vorstellbar sei so einiges: "Wenn es bei Libra zu Problemen kommt und viele Nutzer ihr Geld zurücktauschen wollen – und dies möglich ist – könnte der Wert stark fallen", zitiert ihn die Zeitung. Das würde auch Probleme für die Kapitalmärkte und die Banken nach sich ziehen.

Er sieht zudem die Gefahr einer Monopolbildung. In Europa halten sich digitale Plattformen wie Amazon, Google oder Facebook noch einigermaßen die Waage, kein Unternehmen dominiert. In anderen Regionen der Welt sei das nicht so, da gehe die Lage "schon in Richtung Monopol", sagt Wuermeling. Mit Libra könnte sich das Gleichgewicht in manchen Ländern noch weiter zugunsten Facebook verschieben.

Keine Kontrolle über Libra
Das Plattformgeld Libra stünde völlig quer zu allem, was bekannt sei, erklärt Wuermeling und zählt auf: Facebook sitzt in den USA, das Kryptogeld wird aber in der Schweiz geschöpft, liegt anschließend auf Facebook-Konten rund um den Globus verstreut, um dann von Menschen in den verschiedensten Ländern ausgegeben zu werden. "Das ist, wie wenn eine Firma den Kabelbaum eines Autos in Tschechien genehmigen lässt, die Bremsen in Spanien und den Blinker in Italien – aber niemand auf das Auto als Ganzes schaut", sagt Wuermeling. Es brauche daher global abgestimmte und einheitliche Regeln und Institutionen, um Libra und die Krypto-Varianten anderer Anbieter mit ähnlichem Geschäftsmodell zu überwachen. (fp)