Neue Regeln wie die Finanzmarktrichtline Mifid II binden "immer noch enorme Kapazitäten, die den Asset Managern an anderer Stelle fehlen." Dies sagte Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Fondsverbands BVI, auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt. "Die europäischen Asset Manager wollen in den kommenden Jahren ihre Ressourcen darauf konzentrieren, ihre globale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern." Dies sei jedoch allein durch die schiere Menge an Vorgaben, die zu erfüllen sind, kaum möglich.

Dabei müssten sich die europäischen Fondsanbieter an ein verändertes Marktumfeld anpassen. Nach einer Phase starken Wachstums stehe die Branche nun vor der Aufgabe, sich an den wachsenden Margendruck und den technischen Fortschritt anzupassen. So hätten zwar zahlreiche Häuser ihre Prozesse automatisiert. Viele wollten aber noch stärker in die Digitalisierung und in Zukunftsthemen wie "Künstliche Intelligenz" oder "Big Data" investieren.

Versprechen einer besseren Regulierung
"Wir möchten die EU an ihr Versprechen einer besseren Regulierung erinnern", sagte Richter. "Vor der Schaffung neuer Regeln müssen die bestehenden auf ihre Gesamtwirkung überprüft und bei Bedarf verbessert oder vereinfacht werden." Die Fondslobby verwies zudem auf die andersartige Praxis in den USA: Dort sei neben dem Verbraucherschutz und der Finanzstabilität auch die Stärkung der heimischen Finanzindustrie eine klar formulierte Maxime der Regulierungsverantwortlichen.

Quelle: BVI

Dass die Zeiten des üppigen Wachstums zumindest vorerst vorbei sein könnten, zeigt die Absatzstatistik des Verbands für das Jahr 2018. Demnach sammelten die offenen Publikumsfonds der BVI-Mitglieder 21,8 Milliarden Euro ein. Die unruhige Börsenlage dämpfte den Absatz zwar, die Branche zeige sich dennoch zufrieden. "Abgesehen von den Rekordjahren 2015 und 2017 bewegt sich das Neugeschäft auf dem Niveau der Vorjahre", sagte BVI-Präsident Tobias Pross. Das insgesamt in Publikums- und Spezialfonds sowie in individuellen Mandaten verwaltete Vermögen sank leicht von drei auf 2,95 Billionen Euro.

Mischfonds bleiben gefragt
2017 hatten die Anbieter in Deutschland noch 73 Milliarden Euro vertreiben können. Spezialfonds für institutionelle Investoren wiederum verzeichneten ein Nettomittelaufkommen von 94,7 Milliarden Euro – das drittbeste Jahr nach 2015 und 2016. Den Absatz bei Publikumsfonds stabilisierten einmal mehr Mischfonds, die unter dem Strich 21,6 Milliarden Euro an Neugeld einsammelten. "Kluge Mischfonds sind nach wie vor auf Interesse gestoßen", sagte Pross. Aus Rentenfonds zogen Anleger hingegen 5,7 Milliarden Euro ab.

Aktienfonds verzeichneten zwar ein Nettomittelaufkommen von 0,7 Milliarden Euro. Dies geht jedoch zum Großteil auf Zuflüsse in Aktien-ETFs zurück. Investoren steckten 1,3 Milliarden Euro in die Indexfolger, wohingegen ihre aktiven Pendants demzufolge Abflüsse hinnehmen mussten. Eine Zeitenwende vom aktiven zum passiven Management mochte BVI-Präsident Pross angesichts dieser Zahlen nicht erkennen. Allerdings veränderten die gestiegenen Schwankungen der Börsenkurse das Wesen des Geschäfts. "Wir sind in einer Welt angekommen, in der die Absatzentwicklung mit dem Markt atmet", erläuterte Pross.

Aus Anbietersicht setzte sich Allianz Global Investors mit einem Nettomittelaufkommen bei Wertpapierpublikumsfonds von 8,4 Milliarden Euro für 2018 an die Spitze. Die DWS wiederum erlitt in ihrem Heimatmarkt Abflüsse in Höhe von fast 1,8 Milliarden Euro. Im Dezember drehte aber die Entwicklung, und dem Haus flossen fast 290 Millionen Euro zu. Die Deka wiederum erlitt allein im Schlussmonat Abflüsse von rund 1,2 Milliarden Euro. Über das Jahr blieb im Publikumssegment somit nur noch ein Absatzplus von 276 Millionen Euro übrig. Hintergrund: Der zentrale Wertpapierdienstleister der Sparkassen hatte zuvor im institutionellen Geschäft einen Großkunden verloren.

"Nicht allein grün oder schwarz malen"
Neben den Dauerbrennern Regulierung und Digitalisierung bewegt die Branche auch der Trend zu nachhaltigen Investments. Der Fondsverband begrüßt grundsätzlich entsprechende Bemühungen der EU. "Wir warnen aber davor, alles allein nur grün oder schwarz zu malen. Das würde die bestrafen, die auf dem Weg sind, grüner zu werden", sagte Richter. Zudem betonte er, dass die Entscheidungsfreiheit der Anleger gewahrt bleiben sollte.

Beim Thema Altersvorsorge lehnt die deutsche Fondsbranche wiederum Vorschläge ab, ein staatliches Altersvorsorgeprodukt einzuführen. "Ein Staatsfonds würde den Wettbewerb verzerren", sagte der BVI-Hauptgeschäftsführer. Das oft bemühte Beispiel des schwedischen Pensionsfonds AP7 hinke. Denn dieser sei Teil der staatlichen Altersvorsorge. Zudem sei die Aktienquote des Fonds hoch. "Das finden wir zwar gut, aber wollen das hierzulande wirklich alle?", fragte Richter. (ert)