Chase-Deutschlandchef verrät Details – auch Investmentprodukte geplant
Im zweiten Quartal dieses Jahres soll es losgehen: Die New Yorker Großbank JP Morgan Chase möchte sich einen guten Teil des deutschen Retailmarkts sichern. Zum Start soll es ein attraktiv verzinstes Tagesgeldkonto geben, sagt Länderchef Daniel Llano Manibardo. Später sollen Investments folgen.
Der US-Finanzriese JP Morgan Chase will mit seiner Digitalbank Chase zu einem der führenden Anbieter im deutschen Retailbanking werden. Das sagte Daniel Llano Manibardo, der das hiesige Geschäft leitet, im Interview mit "Bloomberg".
Zum Start, der für das zweite Quartal geplant ist, versprach er attraktive Produktkonditionen. "Wir kommen nicht nach Deutschland, um in der zweiten Reihe mitzuspielen", erklärte Llano Manibardo. Seinen Worten zufolge will Chase "in Deutschland langfristig zu den Top-Banken im Retailsegment gehören".
"Deutschland ist immer im Spitzenfeld zu finden"
Damit hat er sich hohe Ziele gesetzt. Denn der deutsche Markt wird zu einem Großteil von lokalen Sparkassen und Genossenschaftsbanken beherrscht. Hinzu kommen private Banken wie die Deutsche Bank sowie andere Anbieter aus dem Ausland. Zuletzt betrat etwa die spanische BBVA den deutschen Markt.
"In Deutschland gibt es viele Banken, aber das heißt nicht, dass es dadurch schwieriger ist, hier Fuß zu fassen", erklärte Llano Manibardo. Für Chase sei Deutschland nach Großbritannien die naheliegende Wahl für den zweiten europäischen Markteintritt gewesen. "Einwohnerzahl, Bruttoinlandsprodukt, Größe des Bankenmarkts – egal, auf welche Kennziffer man schaut, Deutschland ist immer im Spitzenfeld zu finden", sagte der ehemalige ING-Manager.
"Sehr attraktives" Tagesgeld zum Start
Los gehen soll es in Deutschland mit einem Tagesgeldkonto und einem "sehr attraktiven Zinssatz", wie Llano Manibardo sagte. Danach plane Chase, "zügig" weitere Produkte auf den Markt zu bringen. "Wir wollen zur Hauptbank für Verbraucher werden – mit einer letztlich vollen Palette an Bankprodukten, von Girokonten bis hin zu Investmentprodukten", erklärte Llano Manibardo.
Zwar sei es das Ziel von Chase, in Deutschland ein profitables Geschäft aufzubauen. "Im ersten Jahr nach dem Marktstart wird es aber erstmal darum gehen, hier zu investieren. Wir müssen uns bekannt machen — über Werbung, Sponsoring und andere Maßnahmen", sagte Llano Manibardo.
Platz für rund 400 Beschäftigte
Als deutschen Standort hat Chase nicht etwa Frankfurt gewählt, sondern Berlin. Llano Manibardo begründete das damit, dass es in der Hauptstadt viele Experten für das digitale Banking und eine Fülle an Fintechs gebe. Damit besteht eine gewisse Nähe zum Geschäftsmodell von Chase.
"Bisher haben wir in Berlin 150 Mitarbeiter an Bord geholt und wir stellen momentan weiter ein", erklärte Llano Manibardo. Insgesamt ist der Standort in der Hauptstadt für rund 400 Beschäftigte ausgelegt. "Die Belegschaft wird mit der Einführung neuer Produkte wachsen."
Service-Hotline mit echten Menschen
Auch wenn Chase als reine Digitalbank ins Rennen geht, versprach Llano Manibardo, dass Kunden die Möglichkeit haben werden, anzurufen und mit echten Menschen zu sprechen – falls sie dies denn wollen. Der Kundenservice werde zum Teil in Deutschland angesiedelt sein. "Es ist sehr frustrierend, wenn man als Kunde mit jemandem sprechen möchte und man bekommt niemanden an die Leitung. Die Beziehung zwischen Kunden und ihrem Geld ist sehr sensibel", sagte Llano Manibardo.
In Großbritannien war Chase im Jahr 2021 gestartet. Es war das erste Retailgeschäft von JP Morgan Chase außerhalb der USA. Zuletzt kam die Bank in Großbritannien auf rund 2,5 Millionen Kunden und rund 30 Milliarden Euro an Einlagen.
"Zunächst Deutschland zu einem Erfolg machen"
"Wir haben bei Chase eine Tech-Plattform entwickelt, die wir zunächst in Großbritannien genutzt haben und jetzt auch in Deutschland. Diese Plattform können wir in nahezu allen europäischen Märkten nutzen, müssen sie nur immer an die lokalen Gegebenheiten anpassen", sagte Llano Manibardo. "Diese eine Plattform für alle Märkte macht unseren Ansatz sehr effizient. Wir können dadurch sehr kostengünstig arbeiten."
Dass Chase auf kurze Sicht in weitere Länder geht, ist aber offenbar nicht zu erwarten. "Wir wollen jetzt zunächst Deutschland zu einem Erfolg machen, bevor wir in andere europäische Märkte eintreten", so Llano Manibardo. (Bloomberg/fp)




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