Lange litt Franklin Templeton unter dem Nachhall der Leistungsschwäche einstiger Kassenschlager wie dem Templeton Growth oder dem Templeton Global Bond Fund. Vor etwas mehr als einem Jahr stieß Christian Machts zu dem Haus. Nun meldet er die Wende im Geschäft in Deutschland und Österreich. Während die Abflüsse bei den Dickschiffen zurückgehen, erreicht die Gesellschaft bei Publikumsfonds erstmals seit Jahren unter dem Strich wieder Zuflüsse, wie Machts im Interview mit FONDS professionell berichtet.


Herr Machts, seit mehr als einem Jahr leiten Sie nun das Geschäft von Franklin Templeton in Deutschland und Österreich. Welche Ziele haben Sie erreicht?

Christian Machts: Wir haben viele wesentliche Punkte der Strategie tatsächlich bereits erreicht. Da bin ich unfassbar stolz auf das Team. Das war ein Knochenjob. Normalerweise lassen sich nach einem Jahr in der Fondsbranche nicht so viele messbare Ergebnisse vorweisen. Insofern war es ein intensives Jahr – ich habe ein paar graue Haare bekommen, aber auch ein paar Lachfalten.

Welche messbaren Ergebnisse haben Sie erreicht?

Machts: Die Marke konnten wir deutlich besser positionieren. So gelang uns in der Broadridge-Markenstudie der mit Abstand größte Sprung, nämlich von Platz 23 auf Platz zwölf in Deutschland. In Österreich hielten wir uns in den Top-Ten. Ein wichtiges Signal war auch der zweite Platz bei den Service-Awards von FONDS professionell. Denn hier geht es nicht um Produktperformance, sondern um die Dienstleistungsqualität, die wir hier lokal beeinflussen können.

Anleger zogen seit mehr als zehn Jahren unter dem Strich Geld von Franklin Templeton ab. Wie sieht es da aus?

Machts: Im vergangenen Geschäftsjahr, das bis Ende September 2025 lief, verzeichneten wir 850 Millionen Euro an Nettoabflüssen in Deutschland und Österreich bei Publikumsfonds und ETFs. Im aktuellen Geschäftsjahr haben wir bis Ende Juli dagegen Zuflüsse in Höhe von einer Milliarde Euro. Wir haben das Geschäft also komplett gedreht. Ich hätte mir vor einem Jahr nie träumen lassen, dass wir eine Milliarde an Zuflüssen erzielen.

Aus welchen Bereichen kommen die Zuflüsse?

Machts: Wir hatten uns das Ziel gesetzt, uns als Experten für US-Aktien und die Schwellenländer zu positionieren, sowohl bei klassischen Fonds als auch bei ETFs. Der Blick auf die Absatzzahlen zeigt: Dieses Ziel haben wir exakt erreicht. Ein Beispiel: Wir konnten die für ihre US-Aktienstrategien bekannte Boutique Putnam erfolgreich neu im europäischen Markt etablieren. Hinzu kommen Zuflüsse bei Korea- und China-ETFs. Natürlich hat uns auch die Marktentwicklung geholfen.

Was hat abgesehen von der Marktlage noch geholfen?

Machts: Wir erhielten unglaublich viel Unterstützung aus der Organisation – auch von der Führungsetage. Unsere Vorstandschefin Jenny Johnson hat Deutschland mehrfach besucht. Der gesamte Vorstand war einen Tag hier, um den Markt zu verstehen und mit Kunden zu sprechen. So etwas hat in den letzten zehn Jahren de facto nicht stattgefunden. Zudem liefert das Haus auf Produktebene, einerseits mit Neuauflagen, andererseits mit einer guten Performance. Schließlich konnten wir über Partnerschaften unsere Präsenz am Markt erweitern. Und wir werden mit Blick auf das Altersvorsorgedepot in Deutschland noch weitere Kooperationen knüpfen.

Was planen Sie konkret?

Machts: Im Moment sind wir in der Phase, in der wir weitere strategische Partnerschaften anbahnen. Daher kann ich noch keine Details verraten. Bereits bekannt sind ja die Kooperationen mit Morgenfund und Finanzguru. Letztere stellt für uns einen weiteren Evolutionsschritt in Richtung digitaler Kanäle dar. Zudem werden wir einige neue ETFs auf den Markt bringen. Beim Thema Altersvorsorge verfügen wir über eine umfassende Expertise und werden diese auch einsetzen. Wir haben den Anspruch, zu den Top-Akteuren im Markt zu zählen.

Die Fondsbranche hofft auf ein gutes Geschäft mit dem Altersvorsorgedepot. Doch die Konkurrenz wird hart. Lohnt sich das Geschäft?

Machts: Im Markt wird es auch Projekte geben, die scheitern werden. Darauf gehe ich jede Wette ein. Daher starten wir frühzeitig unsere Kampagne, schulen Mitarbeiter und Partner und setzen alles daran, bis zum Jahreswechsel startklar zu sein. Ich denke zudem, dass wir im Neugeschäft künftig erstmal eine Wende von ETF-Sparplänen in Richtung Altersvorsorgedepot beobachten werden. Ebenso wird es zu einer Wende von klassischen Versicherungs- und Riesterprodukten in Richtung Altersvorsorgedepot kommen. Das Preisniveau wird zweifellos hochkompetitiv sein. Mit unserem Erfahrungsschatz in der Altersvorsorge und bei ETFs sehe ich uns aber in einer sehr guten Position. Zudem werden wir uns in Beratungskanälen stark im Bereich von Premiumangeboten positionieren, bei denen auch traditionelle Fonds und alternative Anlagen Teil der Depotlösung sind.

Bei allen Erfolgen im Vertrieb: In den vergangenen Monaten haben auch einige Mitarbeiter Franklin Templeton verlassen.

Machts: Im Zuge einer solchen Transformation kommt es zu Veränderungen. Einzelne Kollegen sind in den Ruhestand gegangen, die über teils sehr lange Zeit einen tollen Job für Franklin Templeton gemacht haben. Andere Kollegen haben sich entschlossen, im Zuge des Umbaus neue Wege einzuschlagen. Wir investieren aber in Aus- und Weiterbildung sowie in neue Mitarbeiter. Unter dem Strich haben wir das Team ausgebaut. Wir planen zudem, den Trianon-Tower zu verlassen und im Dezember in ein neues Büro im Opernturm umzuziehen. Das ist für die Mannschaft, die in den vergangenen Monaten Gas gegeben hat, ein tolles Zeichen. Und es steht dafür, dass sich Franklin Templeton klar zu dem Markt bekennt.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)