Der US-Investor J.C. Flowers verkauft seine Anteile an Lunis Vermögensmanagement. Der auf die Mittelstandsfinanzierung spezialisierte Finanzdienstleister Youmex aus Frankfurt übernimmt 87,7 Prozent der Anteile an dem Vermögensverwalter, teilte die Gesellschaft mit. Die übrigen 12,3 Prozent verbleiben beim Management um Lunis-Gründungsvorstand Andreas Brandt. Die Führung habe dem Verkauf an Youmex zugestimmt, heißt es weiter. Den Kaufpreis verrieten die Parteien nicht.

Die Private-Equity-Gesellschaft des Milliardärs und ehemaligen Goldman-Sachs-Bankers Flowers hat es in Deutschland mit ihren Investments in die Krisen-Institute HSH Nordbank und Hypo Real Estate (HRE) zu einiger Berühmtheit gebracht. Mit Lunis nahm Flowers einen weiteren Anlauf auf den deutschen Finanzdienstleistungsmarkt. Lunis sollte sich innerhalb kurzer Zeit als treibende Kraft im Konsolidierungsprozess des in Deutschland stark fragmentierten Wealth-Management-Marktes etablieren, hieß es damals. Aktuell betreut die Vermögensverwaltung 450 Kunden mit einem Gesamtvermögen von rund einer Milliarde Euro.

"Langfristig orientierter und strategischer Partner"
Nach den ehrgeizigen Plänen leitet Flowers nun jedoch eine Kehrtwende ein. "Lunis konnte sich innerhalb kürzester Zeit als einer der größten Vermögensverwalter Deutschlands etablieren", sagte Michael Christner von J.C. Flowers der Mitteilung zufolge. "Dennoch war uns klar, dass Lunis mit seinen Mitarbeitern und Kunden einen langfristig orientierten und strategischen Partner braucht, der das Geschäftsmodell noch besser unterstützen kann als wir", argumentierte Christner. Flowers werde auch nach dem Verkauf an Youmex weiter als Partner der Vermögensverwaltung dienen und "andere Kooperationspotentiale" mit dem neuen Lunis-Eigner ausloten.

Bei dem Vermögensverwalter arbeiten 36 Menschen. Einige davon sind ehemalige Privatbanker des Schweizer Bankhauses J. Safra Sarasin, das im März 2017 seinen Rückzug aus dem Geschäft mit wohlhabenden deutschen Kunden angekündigt hatte. Lunis setzte unter anderem darauf, ehemalige Kunden der Schweizer zu übernehmen. Firmengründer Brandt war zuvor Generalbevollmächtigter der Bank J. Safra Sarasin gewesen. Er gründete Lunis zusammen mit Christoph Lieber. J.C. Flowers hielt 50,1 Prozent der Anteile, die beiden Manager den Rest. Lieber zog sich im August 2018 aus dem Unternehmen zurück.

"Kontinuität bleibt gewahrt"
Youmex wiederum erhofft sich Synergien durch den Kauf. "Wir sehen in der Akquisition von Lunis eine signifikante Verstärkung unseres jüngsten Geschäftsfeldes Vermögensverwaltung und Asset Management durch ein eingespieltes und erfahrenes Team mit langjährigen Kundenverbindungen", sagt Kai Hartmann, Aufsichtsrat und Gründer von Youmex. "Zukünftig soll die KWG-lizensierte Lunis aber auch als regulatorische Plattform für das Asset Management dienen." Die Kunden des Vermögensverwalters wiederum erhielten Zugang zu den Anlageprodukten von Youmex.  

Der operative Geschäftsbetrieb von Lunis werde unverändert und mit denselben Mitarbeitern unter der Marke Lunis fortgeführt, betonten die Parteien. "Für Mitarbeiter und Kunden bleibt die Kontinuität somit gewahrt. Das war für uns, neben allen anderen Beweggründen für die Partnerschaft, essentiell", so Brandt. Derzeit betreibt Lunis Niederlassungen in Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg, Hannover und München sowie Stuttgart.

An den ehrgeizigen Zielen halten auch die neuen Eigner fest. Lunis solle als Vermögensmanager auch zukünftig die Konsolidierung in der Branche vorantreiben und strebe ein starkes organisches und anorganisches Wachstum an, heißt es in der Mitteilung. Lunis will also – wie bei der Gründung ausgerufen – auch durch Übernahmen wachsen. (ert)