Die Comdirect Bank veräußert ihre Tochtergesellschaft Ebase (European Bank for Financial Services) an die FNZ Group, einen Finanztechnologieanbieter aus London. "Grund für den Verkauf ist die stärkere Fokussierung auf das Kerngeschäft der Comdirect Bank", heißt es in einer Adhoc-Meldung der Commerzbank-Tochter.

Der Kaufvertrag wurde an diesem Dienstag unterzeichnet. Der Kaufpreis beträgt rund 151 Millionen Euro. Bankenaufsicht und Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Das Geschäft soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Gut 32 Milliarden Euro von einer Million Kunden
Die Comdirect Bank hatte die Ebase im Jahr 2009 für 24,9 Millionen Euro von der damaligen Commerz Asset Management Holding erworben. "Unter Berücksichtigung zu erwartender Kosten, des Zeitpunkts des Abschlusses der Transaktion sowie des Buchwertes der Ebase ergibt sich aus dem Verkauf für Comdirect ein positiver Einmalertrag vor Steuern von mindestens 85 Millionen Euro", heißt es in der Mitteilung.

Die Ebase entstand im Jahr 2002 aus den ausgegliederten Bereichen der Investmentdepotführung und Informationstechnologie der Adig Investment. Heute beschäftigt die Vollbank 265 Mitarbeiter und hat sich auf das B2B-Geschäft mit aktuell gut 270 Kooperationspartnern wie Finanzvertrieben, Versicherern, Banken und Vermögensverwaltern spezialisiert. Ende Juni betreute das Institut 32,06 Milliarden Euro für 1,06 Millionen Endkunden. Damit ist das in Aschheim bei München beheimatete Unternehmen etwa halb so groß wie der Mutterkonzern, der im norddeutschen Quickborn sitzt: Ohne Ebase hatte die Comdirect Bank zuletzt 2,39 Millionen Kunden mit Depots und Einlagen im Wert von 62,60 Milliarden Euro.

Die Ebase-Geschäftsführung bleibt an Bord
Der neue Eigentümer FNZ beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1200 Mitarbeiter in zehn Ländern. In Deutschland ist das Fintech bereits mit einem Büro in Berlin vertreten. FNZ stellt "etablierten Finanzinstituten moderne und hoch skalierte Plattform-Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette im Anlagegeschäft zur Verfügung", wie es in der Unternehmenspräsentation heißt.

"Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit FNZ. Gemeinsam werden wir auch in Zukunft unseren erfolgreichen Kurs fortsetzen und unsere Strategie vorantreiben", lässt sich Ebase-Geschäftsführer Rudolf Geyer in einer Pressemitteilung der Bank zitieren. Er soll das Unternehmen auch künftig mit seinem Kollegen Lars Müller-Lambrecht, der zu Jahresbeginn in die Geschäftsführung berufen wurde, leiten. Der Standort in Aschheim soll ebenfalls beibehalten werden.

Verkaufserlös soll ins Kerngeschäft investiert werden
Die Ebase habe sich zu einem "der führenden B2B-Direktbanken" entwickelt, sagte Comdirect-Vorstandschef Arno Walter, der auch den Ebase-Aufsichtsrat leitet. Walter zufolge habe sein Institut die "strategische Rolle der Ebase in der Comdirect-Gruppe" regelmäßig neu bewertet. "Vor dem Hintergrund des aktuell günstigen Marktumfelds und der erfolgreichen Repositionierung der Ebase war jetzt der optimale Zeitpunkt für einen Verkauf."

Der Verkaufserlös soll in das Wachstum des Kerngeschäfts investiert werden. Allein im Jahr 2018 sollen bis zu 30 Millionen Euro in "smarte Produkte und Leistungen, neue Technologien und Maßnahmen zur Gewinnung von Neukunden und Kundenvermögen" gesteckt werden.

Comdirect betreibt weiterhin eine B2B-Sparte
Der Ebase-Verkauf bedeute nicht, dass sich die Comdirect vollständig aus dem B2B-Geschäft zurückziehe, betonte eine Sprecherin der Bank auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE. Das Institut betreut mit seinem Geschäftsbereich "Business Partners" schon seit vielen Jahren unabhängige Finanzdienstleister – und macht der Ebase damit zumindest in Teilbereichen Konkurrenz. "Business Partners ist Teil unseres Kerngeschäfts", betonte die Sprecherin. "Daran halten wir fest." (bm)