Die Comdirect hat negative Zinsen auf die Sichteinlagen von Privatkunden eingeführt, so zum Beispiel für Guthaben auf dem Girokonto. Dies geht aus einer Auswertung des Verbraucherportals biallo.de hervor, die der Nachrichtenagentur Bloomberg vorliegt. Eine Sprecherin der Comdirect bestätigte die Information auf Anfrage von Bloomberg.

Ihren Angaben zufolge gewährt die Tochter der Commerzbank einen Freibetrag von 250.000 Euro. Die ersten Kunden müssten den Negativzins, der bei minus 0,5 Prozent liegt, seit dem 1. Dezember zahlen. Die Bank treffe individuelle Vereinbarungen, ergänzte die Sprecherin. Das Angebot von Festgeld- und Laufzeitkonten hat die Comdirect nach Angaben auf ihrer Webseite vorläufig eingestellt.

Negativzinsen ab dem ersten Euro
Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte ihren Einlagensatz im September 2019 auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Seitdem ist es für Geschäftsbanken noch einmal teurer, überschüssige Liquidität bei der Zentralbank zu parken. Bei ersten deutschen Instituten gibt es daher bereits Überlegungen, negative Zinsen sogar ab dem ersten Euro von bestimmten Privatkunden zu verlangen. 

Indes geht der Übernahme-Poker um die Comdirect weiter. Die Commerzbank plant, ihren Anteil an ihrer Direktbank-Tochter von derzeit 82,3 Prozent auf über 90 Prozent zu erhöhen. Dafür hatte das Institut den Comdirect-Aktionären am 30. Oktober dieses Jahres von 11,44 Euro je Aktie geboten. Die Angebotsfrist endet am 6. Dezember 2019.

Einer Mitteilung vom 27. November zufolge habe die Commerzbank mit ihrem Angebot aber nur 0,17 Prozent der Comdirect-Aktien eingesammelt. Dies berichten diverse Medien, darunter die "Wirtschaftswoche" (Wiwo). Damit sei die Commerzbank von der 90-Prozent-Schwelle noch ein ganzes Stück entfernt. Zudem biete der aktuelle Börsenkurs der Comdirect-Aktie wenig Anreiz, weitere Papiere an die Commerzbank zu verkaufen, schreibt die Wiwo. Immerhin notiert die Aktie konstant über der Angebotsmarke. 

Ein Grund für die hohen Kurse sind die Zukäufe des zweitgrößten Comdirect-Investors Petrus Advisers. Vor Bekanntgabe des Commerzbank-Angebots habe Petrus rund drei Prozent der Comdirect-Aktien gehalten, schreibt die Wiwo. Inzwischen sei der Anteil auf 7,5 Prozent aufgestockt worden. Till Hufnagel, einer der beiden Petrus-Partner, sagte der Wiwo, es sei unwahrscheinlich, dass der Investor das Paket zu den gebotenen 11,44 Euro je Aktie an die Commerzbank abtreten werde.

Damit wäre ein Großteil der Papiere, die die Commerzbank für die geplante Komplettübernahme und das Hinausdrängen der Altaktionäre (Squeeze-out) bräuchte, aus dem Spiel. Petrus Advisers hatte die Offerte der Commerzbank bereits kurz nach der Abgabe des Angebots als "unverständlich" abgekanzelt und auch den Minderheitsaktionären dazu geraten, ihre Anteile nicht zu verkaufen. (am)