Die mitten im Umbau begriffene Commerzbank hat 2019 unter dem Strich weniger verdient. Der Nettogewinn brach um ein Viertel auf 644 Millionen Euro ein, teilte das Institut mit. Grund waren die Kosten für den Stellenabbau, höhere Rückstellungen für ausfallgefährdete Kredite sowie höhere Steuern. Demgegenüber konnte das Institut dank des laufenden Sparprogramms die Kosten senken. Sogar die Erträge stiegen leicht. Letztendlich kletterte das operative Ergebnis somit gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro.

Entsprechend optimistisch zeigte sich Vorstandschef Martin Zielke bei der Präsentation der Zahlen. "Wir haben das Geschäftsjahr 2019 mit einem besseren operativen Ergebnis abgeschlossen als zwischenzeitlich erwartet", sagte Zielke. Sein Haus habe "eine gute Absprungbasis für 2020 geschaffen. Diesen Spielraum werden wir nutzen." Bei der Restrukturierung komme die Bank schneller voran als geplant. "Das stimmt mich mit Blick auf unsere Renditeerwartung optimistischer, als ich es im vergangenen Herbst war", frohlockte der Vorstandschef.

Schwierige Brautschau
Das Institut ringt mit einem im internationalen Vergleich schwachen Geschäft. Die Führungsebene um Vorstandschef Martin Zielke versucht mit dem Umbauprogramm "Commerzbank 5.0" gegenzusteuern. Neben dem Abbau von 4.300 Stellen und der Schließung von 200 der 1000 Filialen gehört dazu auch die Eingliederung des Online-Ablegers Comdirect sowie der Verkauf der polnischen Tochter mBank.

Der Verkauf des einst als Ertragsperle gefeierten polnischen Institut erweist sich allerdings als schwierig. Erst kürzlich hatte sich die österreichische Erste Group aus dem Kreis der Bieter zurückgezogen. Einer der Gründe für die Absage waren mögliche Belastungen aus Fremdwährungskrediten. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs drohen Banken Klagen und Rückforderungen von Verbrauchern. Auch die mBank hatte solche Darlehen vergeben.

Millionen-Rückstellung für Fremdwährungskredite
Ob das Portfolio an Fremdwährungskrediten bei der Commerzbank bleibt oder mit der mBank mitverkauft wird, ist bislang unklar. Das deutsche Geldhaus stellte jedenfalls im vierten Quartal 57 Millionen Euro für mögliche Belastungen aus diesem Portfolio zurück. Die Übernahme der Comdirect wiederum soll auf der Hauptversammlung im Mai abgeschlossen werden, nachdem sich das Institut mit einem widerspenstigen Minderheitseigner letztlich über die Abfindung einig wurde. (ert)