Commerzbank-Chefin hält sich Rücktritt nach Unicredit-Übernahme offen
Vertrauen, Strategie und die eigene Zukunft: Bettina Orlopp macht ihren Verbleib bei der Commerzbank von einer gemeinsamen Linie mit Unicredit-Chef Andrea Orcel abhängig. Die Annäherung gestaltet sich schwierig.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat angedeutet, dass sie wahrscheinlich nicht im Amt bleiben wird, sollte sie mit Unicredit-Chef Andrea Orcel keine gemeinsame Basis finden, sobald das italienische Institut die Kontrolle über den deutschen Konkurrenten übernimmt.
Die Mitgliedschaft im Vorstand "ergibt nur dann Sinn, wenn erstens ein Vertrauensverhältnis zwischen Aufsichtsrat und Vorstand besteht und zweitens Einigkeit über die Strategie herrscht", sagte Orlopp auf die Frage, ob sie im Amt bleiben würde, falls Orcel seine Pläne für die Commerzbank umsetzt. "Ist das nicht der Fall, muss man die Konsequenzen ziehen."
Deutlichstes Signal für einen möglichen Rückzug
Das ist bislang das deutlichste Signal dafür, dass Orlopp infolge der Übernahme durch die Unicredit von ihrer derzeitigen Position zurücktreten könnte. Zuvor hatte sie erklärt, ihren Vertrag erfüllen zu wollen, und lediglich die Unterstützung des Aufsichtsrats als notwendige Voraussetzung dafür genannt.
Die Äußerungen folgen auf die Bereitschaft von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, Orcel am 14. September in Berlin zu treffen. Diese Entscheidung bedeutete eine Kehrtwende gegenüber der bisherigen Weigerung Berlins, mit dem Unicredit-Chef direkt über die Commerzbank zu sprechen. Damit erhält Orcel einen direkten Weg, um über die Zukunft des Instituts zu beraten, ohne Orlopp einbeziehen zu müssen.
Orcel bemüht sich seit zwei Jahren um die Commerzbank und hat sich seither eine Beteiligung von fast 50 Prozent gesichert. Damit dürfte er auf Hauptversammlungen über eine Stimmenmehrheit verfügen, sobald die Aufsichtsbehörden genehmigt haben, dass die Unicredit das vollständige Eigentum an den Aktien erwirbt, die dem Institut im Rahmen eines Übernahmeangebots in diesem Jahr angedient wurden. Orcel plant, das internationale Netzwerk der deutschen Bank zurückzufahren – ein möglicher Schritt, den Orlopp entschieden ablehnt.
Unterschiedliche Strategien erschweren Einigung
Orlopp und Orcel führten im vergangenen Monat ihre ersten formellen Gespräche darüber, wie der erwartete Kontrollwechsel bei dem Frankfurter Institut gestaltet werden soll. Die Gespräche dürften in den kommenden Wochen und Monaten fortgesetzt werden. Die Begegnung machte jedoch deutlich, dass eine Einigung nicht leicht zu erzielen sein wird: Die Unicredit-Vertreter betonten, an ihren bisherigen strategischen Vorschlägen festzuhalten, während die Vertreter der deutschen Bank weiterhin ihre eigene Strategie verteidigten, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen damals erklärten.
Der Zusammenschluss sei das "Paradebeispiel" für grenzüberschreitende Übernahmen in Europa, sagte Orlopp. "Wir sollten nun um jeden Preis vermeiden, es zu vermasseln." (mb/Bloomberg)














