Commerzbank hängt Asset Management unter dem Dach einer Tochter auf
Die zweitgrößte deutsche Retailbank hegt Expansionspläne im Asset Management. Nunmehr hat das Institut das Geschäft jedoch umstrukturiert – und die Aktivitäten unter dem Dach der Sachwerte-Tochter Commerz Real gebündelt. Zudem kam es zu einer Abschreibung in Millionenhöhe bei Aquila Capital.
Die Commerzbank hat ihr Asset Management unter dem Dach der Sachwerte-Tochter Commerz Real gebündelt. Das Institut bestätigte auf Anfrage von FONDS professionell einen entsprechenden Bericht des Branchendienstes "Finanz-Szene". Demnach gingen die Mehrheitsbeteiligungen an dem Hamburger Sachwertehaus Aquila Capital sowie an der 2023 gegründeten Yellowfin Asset Management an die Commerz Real über. Zudem wurde die Tochter Commerz Real Capital als Vertriebsgesellschaft gegründet.
Dieser Schritt überrascht insofern, da Yellowfin in liquiden Märkten wie Aktien und Anleihen unterwegs ist. Ein Sprecher der Commerzbank begründete den Umbau damit, dass die Commerz Real "bereits über geeignete Holdingstrukturen" verfüge. "Wir werden unsere Asset-Management-Aktivitäten stärker bündeln, um Schlagkraft und Effizienz weiter zu erhöhen", ergänzte der Institutssprecher. Seit dem zweiten Quartal würden die Fondstöchter in den Quartalsberichten zusammengefasst.
Offene Asset-Management-Expansion
Im Zuge des Umbaus wechselte auch Thilo Wolf als Geschäftsführer zu der neuen Tochtergesellschaft – und mit ihm Teile des Vertriebsteams, wie "Finanz-Szene" zuerst berichtete. Wolf war früher Deutschlandchef der Fondseinheit der US-Großbank BNY Mellon und 2023 zur Commerzbank gestoßen. Dieses Team sollte intern die hauseigene Vertriebsmannschaft bei der Vermarktung der Asset-Management-Produkte an vermögende Privatkunden, Unternehmen und institutionelle Investoren unterstützen. Dem Bericht von "Finanz-Szene" zufolge wurde dieses Vorhaben jedoch zurückgeschraubt – ebenso wie die Expansion der Commerzbank im Asset Management insgesamt.
"Wir haben eine klare Wachstumsstrategie im Asset Management, die wir konsequent umsetzen", betont der Banksprecher dagegen auf Nachfrage. "Ziel ist es, unseren vermögenden Kunden ein breites Spektrum an Produkten anzubieten und so zusätzliche Mandate und Volumina über alle Assetklassen hinweg zu gewinnen." Das Angebot umfasst mit der hauseigenen Vermögensverwaltung sowie der Commerz Real, Yellowfin und Aquila Capital mehrere Bausteine. "Darüber hinaus schauen wir uns auch weitere mögliche Übernahmen und Kooperationen an."
Abschreibung in Höhe von 65 Millionen Euro
Das Institut hat allerdings im zweiten Quartal eine Abschreibung in Höhe von 65 Millionen Euro auf die 75-Prozent-Beteiligung an Aquila Capital vorgenommen. Diese Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte wären regulär in den kommenden Jahren angefallen. Das Institut habe diese jedoch vorziehen müssen. "Der Grund hierfür ist, dass sich das Geschäft mit frühphasigen Photovoltaik-Projekten in Südeuropa derzeit schwierig gestaltet", teilte der Commerzbank-Sprecher mit.
Die Commerzbank hatte das Asset und Wealth Management als Wachstumsfeld auserkoren. So plant das Institut, ein Dach für Boutiquen zu errichten. In der Vermögensverwaltung betreut die Bank wiederum ein Kundenvermögen von gut 20 Milliarden Euro. Zugleich steckt das Geldhaus jedoch auch in einem Abwehrkampf gegen die Übernahme-Avancen der italienischen Großbank Unicredit. (ert)














