Die Commerzbank begibt sich auf die Schlussetappe zur vollständigen Übernahme ihrer Direktbank-Tochter Comdirect. Das Institut kündigte am Montagabend (16.3.) an, die noch verbliebenden Aktionäre mittels Zahlung von 12,75 Euro je Anteilschein aus dem Unternehmen herausdrängen zu wollen – rechtlich ein sogenannter Squeeze-out. Das meldet das "Handelsblatt".

"Die Festlegung der Barabfindung für die Aktionäre der Comdirect ist der nächste Schritt auf dem Weg zum verschmelzungsrechtlichen Squeeze-out", zitiert die Wirtschaftszeitung Commerzbank-Chef Martin Zielke. "Nach der Hauptversammlung der Comdirect werden wir die Integration mit voller Kraft vorantreiben."

Petrus Advisers erhielt mehr Geld
Damit werde die nach Abfindung des aktivistischen Investors Petrus Advisers, der sogar 15,15 Euro je Aktie erhalten hatte, noch verbliebenen Miteigentümer einen Abschlag auf den aktuellen Kurs der Comdirect hinnehmen müssen. Das Papier kostete am Montag noch 13,62 Euro je Stück. 

Die Commerzbank, die mit der Einverleibung der Tochter ihre eigenen Kosten senken und die Digitalisierung vorantreiben möchte, hielt bis vor einigen Wochen rund 82 Prozent der Aktien an der in Quickborn ansässigen Gesellschaft. Um die übrigen Eigner herausdrängen zu können, hätte sie 90 Prozent der Papiere ihr eigen nennen müssen. Mit dem Kauf des Aktienpaktes von Petrus Advisers Ende Januar ist das möglich.

Gerichtliche Überprüfung
In einem Squeeze-out-Verfahren wie dem vorliegenden werden stets zwei unterschiedliche Preise ermittelt. Zum einen wird eine externe und damit möglichst neutrale Unternehmensbewertung vorgenommen, die von einem gerichtlich bestellten Gutachter auf Angemessenheit überprüft wird. Zum anderen errechnet man den volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten drei Monate vor der offiziellen Ankündigung des Squeeze-outs. Die Barabfindung für die Aktionäre richtet sich dann nach dem höheren Preis, der aus den beiden Verfahren herausgekommen ist. Im vorliegenden Fall ist dies der Durchschnittskurs vor Ankündigung des Squeeze-outs, der sich auf ebenjene 12,75 Euro je Aktie beläuft.

Die unterschiedlichen Preise, die das zweitgrößte deutsche Geldhaus den verschiedenen Aktionären zahlt, sind rechtlich übrigens zulässig, schreibt das Handelsblatt weiter. "Im Fall Comdirect vermeidet die Commerzbank dadurch beispielsweise eine langwierigere Verschmelzung im Zuge eines Aktientausches", zitiert die Zeitung Aussagen des Wirtschaftsanwaltes Christoph Seibt, Partner in der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. (jb)