Die Commerzbank setzt in ihrer Firmenkundensparte den Rotstift an. Deutschlands zweitgrößte Geschäftsbank plane, im Zuge ihres Umbaus bis 2024 sukzessive Auslandsstandorte zu schließen, wie das "Handelsblatt" berichtet. Die Zeitung bezieht sich dabei auf eine Mitteilung im Intranet der Commerzbank, die der Redaktion vorliegt.

Die Bereichsvorstände Roland Boehm und Nikolaus Giesbert führten darin erstmals 15 Standorte auf, an denen die Bank künftig nicht mehr vertreten sein wird, schreibt das "Handelsblatt". Zurückziehen wolle sich das Institut aus Luxemburg, Ungarn und Hongkong. Geschlossen werden sollen außerdem die Filialen in Barcelona, Bratislava und Brüssel sowie die Repräsentanzen in Aserbaidschan, Georgien, Indonesien, dem Irak, Kasachstan, dem Libanon, Malaysia, Serbien und Venezuela.

Viele Firmenkunden brauchen Bank mit Auslandexpertise
Die Commerzbank zählt viele Firmenkunden zu ihrer Klientel, die international aktiv sind und daher eine Bank mit ausreichend Auslandsexpertise und Vor-Ort-Präsenz benötigen. Sollte das Institut an der falschen Stelle kürzen, könnte es Kunden an Wettbewerber verlieren, befindet das "Handelsblatt". Firmenkundenvorstand Michael Kotzbauer sei aber zuversichtlich, dass es dazu nicht kommen werde. 

Die Commerzbank habe analysiert, welches die entscheidenden Handelskorridore für deutsche Unternehmen seien, sagte Kotzbauer dem "Handelsblatt" in einem Interview. Seine Bank werde dort weiter stark vertreten sein, also vor allem in Europa, Asien und den USA. Unter dem Strich bleibe das Institut in rund 40 Ländern präsent.

Schlankere Strukturen
Mit den Einschnitten im Auslandsgeschäft wolle die Commerzbank für schlankere Strukturen sorgen, berichtet das "Handelsblatt". Bereichsvorstand Boehm, der für das internationale Firmenkundengeschäft zuständig ist, habe erklärt, die wesentliche Aufgabe der Standorte außerhalb Bundesrepublik sei es, "mit starken vertriebsorientierten Teams Geschäft mit Deutschlandbezug für die Bank zu akquirieren" und die Kunden bei ihrem Auslandsgeschäft zu begleiten. 

Verwaltungsfunktionen wolle die Commerzbank dagegen "perspektivisch in regionalen Zentren bündeln". Auch das Korrespondenzbankennetz soll schrumpfen. Hier wollen die Frankfurter künftig nur noch mit 1.300 statt 1.600 Instituten zusammenarbeiten. 

Ertragsrückgang soll wettgemacht werden
Durch die Ausdünnung des Auslandsnetzes erwartet das Institut dem "Handelsblatt" zufolge in den kommenden Jahren einen Ertragsrückgang von bis zu 300 Millionen Euro. Dieser solle durch Wachstum in Europa und den USA sowie durch Kosteneinsparungen aber weitgehend ausgeglichen werden. (am)