Die Unicredit und die Commerzbank stehen vor einer Wiederaufnahme ihrer Gespräche, berichtet "Bloomberg" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der Grund: Eine Übernahme der Frankfurter Bank wird nach dem beendeten Angebot der Italiener deutlich wahrscheinlicher.

Die Unicredit hält nach Abschluss ihres Angebots 49,65 Prozent der Commerzbank-Stimmrechte. Unicredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp wollen den Angaben zufolge kurz nach der Vorlage der Quartalszahlen der Commerzbank am 6. August per Videokonferenz miteinander sprechen.

Zunächst wohl kein Durchbruch
Zwar dürfte dabei kein Durchbruch erzielt werden, das Gespräch könnte aber den Weg für weitergehende Verhandlungen zu einem späteren Zeitpunkt ebnen, hieß es. Orlopp werde ihre Position voraussichtlich eng mit der Bundesregierung abstimmen, sagten die Personen weiter.

Sprecher der Unicredit und der Commerzbank lehnten eine Stellungnahme ab. Ein Sprecher der Bundesregierung reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage. Alle Informanten wollten wegen der Vertraulichkeit der Informationen anonym bleiben.

Berlin bereitet Forderungen vor
Orcels zweijährige Übernahmeoffensive geht in die entscheidende Phase. Nach Abschluss des Übernahmeangebots Anfang Juli dürfte die Unicredit knapp die Hälfte der Commerzbank kontrollieren. Die Bundesregierung, die rund zwölf Prozent an der Commerzbank hält, signalisiert inzwischen mehr Offenheit für die Transaktion.

Berlin bereitet zentrale Forderungen für mögliche Gespräche mit der Unicredit vor. Dazu dürfte gehören, die Rolle der Commerzbank als wichtiger Finanzierer der deutschen Wirtschaft zu erhalten.

Genehmigungen erwartet
Die Unicredit erklärte am Donnerstag (23.7.), das Institut rechne bereits im vierten Quartal mit den aufsichtsrechtlichen Genehmigungen und werde anschließend die Kontrolle über die Commerzbank übernehmen. Die Bank stellte zudem Eckpunkte für einen tiefgreifenden Umbau des deutschen Instituts vor, der die Profitabilität steigern soll. Zudem brachte die Unicredit erneut einen möglichen Austausch der Unternehmensführung ins Spiel.

Gespräche zwischen Orcel und Orlopp waren im Frühjahr ohne Einigung beendet worden. Orlopp hatte Orcels Strategiepläne öffentlich zurückgewiesen mit der Begründung, sie würden das Geschäftsmodell der Commerzbank beschädigen.

Direkter Draht nach Berlin bevorzugt
Die Unicredit bevorzugt nach Angaben einer weiteren Person direkte Gespräche mit der Bundesregierung. Orcel erklärte am Donnerstag (23.7.) öffentlich, er wolle mit Berlin und den Arbeitnehmervertretern der Commerzbank sprechen. Die Unternehmensführung der Commerzbank erwähnte er dabei nicht. 

Kontakte mit der Bundesregierung zur Vorbereitung möglicher Gespräche über die Commerzbank habe es bislang nicht gegeben, sagte Orcel zudem. Es liege in der Verantwortung der beiden Banken, miteinander zu sprechen, erklärte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums separat. (mb/Bloomberg)