Die Covid-19-Pandemie hat das Fusionstempo bei den Genossenschaftsbanken deutlich verlangsamt, wie das "Handelsblatt" berichtet. Die Beratungsfirma Zeb habe ermittelt, dass die Zahl der Institute aus dem genossenschaftlichen Sektor von Januar bis Ende November 2020 nur um 27 gesunken ist. In den drei Jahren zuvor habe der Rückgang zwischen 34 und 57 gelegen. In den Vorjahren fanden zum Teil also doppelt so viele Zusammenschlüsse statt wie 2020.

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) sagte dem "Handelsblatt", er habe für das vergangene Jahr 40 Fusionen prognostiziert. Die geringere Zahl könne damit zusammenhängen, dass es aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht möglich war, die Mitglieder optimal in Diskussionsprozesse einzubeziehen. Dies ist aber notwendig, da die Mitglieder Eigentümer der Genossenschaftsbanken sind. Sie sind es, die über mögliche Fusionen entscheiden.

Drei Sparkassen-Hochzeiten 2020
Im Sparkassensektor habe es 2020 drei Zusammenschlüsse gegeben, schreibt das "Handelsblatt". Vier weitere wurden per 1. Januar 2021 umgesetzt. In den Vorjahren hatten teils deutlich mehr Sparkassen fusioniert. Anders als der BVR gehe der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) aber nicht davon aus, dass Zusammenschlüsse aufgrund der Coronakrise absagt worden sind.

Bereits in den vergangenen Jahren war die Zahl der Volks- und Raiffeisenbanken sowie der Sparkassen immer weiter gesunken. Die Institute leiden stark unter den dauerhaften Niedrigzinsen, die Erträge gehen zurück. Fusionen werden als ein möglicher Ausweg angesehen.

Künftig wieder mehr Zusammenschlüsse
Daher rechnet  Zeb-Partner Heinz-Gerd Stickling künftig auch wieder mit mehr Zusammenschlüssen. "Wir erwarten, dass es in den nächsten Jahren zu einer deutlichen Beschleunigung kommt, aber nicht zu einer außergewöhnlich großen Fusionswelle", sagte er dem "Handelsblatt". (am)