Die Genossenschaftsbanken haben im Zuge der Coronakrise ihren Kreditkunden Stundungen in Höhe von 15,7 Milliarden Euro gewährt. Das gab die genossenschaftliche Finanz-Gruppe am Mittwoch (15. Juli 2020) bei der Präsentation ihres konsolidierten Ergebnisses für das Jahr 2019 bekannt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. "Das sind 2,7 Prozent des Kreditvolumens", zitiert Reuters Gerhard Hofmann, Vorstand des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Betroffen seien 98.700 Konten.

Der Verband ist jedoch zuversichtlich, dass die Stundungen nur in geringem Maße ausfällgefährdet sind. Zum einen sei das von der Bundesregierung verhängte Moratorium zum Schutz von Darlehensnehmern Ende Juli ausgelaufen. Deshalb gehe der BVR davon aus, dass die Banken sich jeweils bewusst mit den Kunden auf die Kreditstundung geeinigt hätten, wie Reuters schreibt. Hinzu komme, dass 96 Prozent der betroffenen Darlehen mit Immobilien besichert seien. Bislang habe die Gruppe auch nur vereinzelte Kreditausfälle und keine größeren Insolvenzen gesehen.

Getrübte, aber positive Aussichten
Wegen der erhöhten Vorsorge für faule Kredite rechnet die genossenschaftliche Bankengruppe gleichwohl mit einem deutlichen Gewinnrückgang. "Natürlich sind die Aussichten getrübt von Corona, aber wir kommen auch von einem Niveau, wo wir gewisse Ausfälle verkraften können", zitiert Reuters BVR-Vorstandsmitglied Andreas Martin. 2019 konnte die Bankengruppe, zu der neben den Volks- und Raiffeisenbanken auch die Fondsgesellschaft Union Investment und die R+V Versicherung gehören, das Vorsteuerergebnis auf 10,2 Milliarden Euro steigern. Der BVR ist zuversichtlich, dass auch 2020 ein Gewinn vor Steuern erzielt wird.

Im Herbst wollen die genossenschaftlichen Institute trotz der aktuellen Unsicherheiten und entgegen eines Aufrufs der EZB-Bankenaufseher ihren Mitgliedern eine Dividende zahlen. Dafür haben sie 403 Millionen Euro zurückgelegt. (tw)