In den USA hat sich das Phänomen schon vor Monaten gezeigt: Beschäftigte, die sich während der Pandemie von ihrem Arbeitgeber schlecht behandelt fühlen, kündigen in Scharen ihre Jobs . Das trifft vor allem Fachkräfte aus dem Gesundheitssektor und aus dem IT-Bereich. "The Great Resignation" wird das auf der anderen Seite des Atlantiks genannt. Doch auch hierzulande bangen Arbeitgeber mehr und mehr um die Loyalität ihrer Mitarbeiter, wie der "Tagesspiegel" berichtet. Die Zeitung nimmt Bezug auf eine repräsentative Studie der Universität Leipzig. Arbeitspsychologe Hannes Zacher führt die erhöhte Kündigungsbereitschaft vor allem auf einen Effekt zurück: Das Heraustreten aus dem Alltag im Zuge der Pandemie hat ihm zufolge dazu geführt, dass die Menschen in stillen Minuten ihre Arbeitsbedingungen, Unternehmenskultur und die Relevanz ihres Tuns stärker und grundsätzlich hinterfragen.

"Das Thema beschäftigt Jüngere wie Ältere", beobachtet Zacher. Auch in Deutschland seien vor allem Mitarbeiter in der Pflegebranche, IT, Gastronomie und prekär Beschäftigte betroffen. Für übermäßig dramatisch hält er die Lage dennoch aktuell nicht. Kündigungszahlen hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bislang aber nur für die Corona-Anfangszeit bekannt gegeben – im ersten Halbjahr 2020 waren sie unterdurchschnittlich.

Nicht gleich die Flinten ins Korn werfen
Allerdings haben sich insbesondere im Sommer dieses Jahres die Beschäftigungszahlen gut entwickelt. Und wer bessere Chancen sieht, einen neuen Job zu finden, wird zur Kündigung wahrscheinlich eher bereit sein. Statt tatsächlich oder auch innerlich zu kündigen, rät der Experte Beschäftigten dazu, erst einmal andere Optionen im bestehenden Arbeitsverhältnis auszuloten. Das funktioniert zum Beispiel, indem man andere Aufgabenbereiche übernimmt, sich fortbildet oder zu neuen Projekten anregt. (fp)