Ende 2016 ging die Maiestas Vermögensmanagement aus der ehemaligen Meridio Vermögensverwaltung hervor. Mitgründerin des Kölner Vermögensverwalters ist Petra Ahrens, die im Mai als erste Frau in den Vorstand des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter (VuV) gewählt wurde. Im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE erklärt die Kapitalmarktexpertin, warum Digitalisierung bei Vermögensverwalter ganz oben auf der Agenda stehen sollte, weshalb sie auf bestimmte Nachrichten der Bafin wartet und warum ihre Branche auf einer Erfolgswelle schwimmt.


Frau Ahrens, eine kürzlich veröffentlichte Studie des Instituts für Vermögensverwaltung (InVV) an der Hochschule Aschaffenburg kommt zu dem Ergebnis, dass die Vermögensverwalter gut durch das Corona-Jahr 2020 gekommen sind. Die Zahl der Kunden stieg, ebenso das verwaltete Vermögen. Was sind die Gründe dafür?

Petra Ahrens: Das stimmt, viele Vermögensverwalter konnten im vergangenen Jahr zulegen, obwohl sich im März 2020 viele Sorgen machten, wie es weitergehen sollte. Die Gründe für das gute Abschneiden sehe ich in den niedrigen Zinsen und den von Banken erhobenen Strafzinsen, euphemistisch "Verwahrentgelt' genannt. Für die Menschen wird es immer mehr zu einer Belastung, Geld zu haben, und sie suchen Wege zur Anlage – diese finden sie oftmals nicht mehr bei den Banken.

Warum?

Ahrens: Banken und die dort beschäftigten Berater sind nicht in der Lage, Kunden mit kleineren Vermögen eine individuelle, auf sie zugeschnittene Anlagelösung zu bieten. Entweder sie haben gar keine oder es gibt nur standardisierte Vorschläge mit haus- oder konzerneigenen Fonds, eventuell vielleicht ein paar Fremdfonds. Vor allem aber sind Banken Produktverkäufer und keine echten Berater. Daran hat sich immer noch nichts geändert – zum Glück für uns! Bei mittleren Vermögen spielt eine weitere Rolle, dass deren Inhaber preissensibler geworden sind und sich nach Alternativen umsehen.

Wie definieren Sie denn kleinere und mittlere Vermögen?

Ahrens: Da muss ich mit einer Gegenfrage antworten: Was sind überhaupt Vermögen? Für eine Lehrerin, die ihr Leben lang gespart hat, sind 50.000 Euro sicher viel. Aber aus Sicht eines Vermögensverwalters zählen Vermögen bis 200.000 Euro zu den kleineren, bis zu einer Million Euro spricht man von mittelgroßen.

Konnten Vermögensverwalter auch bei Inhabern noch größerer Vermögen punkten?

Ahrens: Das Geschäft mit Hochvermögenden ist ein Haifischbecken, da tummeln sich keine Finanzportfolioverwalter. Das haben die großen Wealth-Management-Einheiten der Banken und die Family Offices bereits unter sich verteilt. Das macht aber nichts. Meine Kollegen und ich von der Maiestas haben gezeigt, dass man gerade auch Sparer mit vergleichsweise schmalem Geldbeutel als Kunden gewinnen kann.

Ok, wie machen Sie das?

Ahrens: Das Zauberwort lautet Digitalisierung, auch wenn das für viele abgedroschen klingen mag. Wir haben in den vergangenen Jahren die Digitalisierung unseres Front- und Backends konsequent vorangetrieben, sodass wir nun in der Lage sind, auch weniger vermögende Anleger individuell beraten und betreuen zu können. Zudem setzen wir auf zwei Kooperationen. Zum einem mit der V-Bank oder besser deren Plattform V-Check, über die Anleger bei uns ab 25.000 Euro aufwärts investieren können. An V-Check ist auch die Global Finanz angebunden, die uns ebenfalls Kunden zuführt. Zum anderen kooperieren wir mit der Baader Bank und Investify für eine Online-Vermögensverwaltung, die mit noch kleineren Beiträgen abgeschlossen werden kann.

Sie nutzen also verschiedene Systeme. Warum nicht eines?

Ahrens: Das ist wünschenswert, lässt sich derzeit aber nicht umsetzen. Depotbanken und Software-Unternehmen haben mit der Zeit verschiedene IT-Systeme für die einzelnen Bausteine einer Vermögensverwaltung entwickelt und auch immer wieder aktualisiert. Jede Depotbank bietet daher ihre eigene Lösung an, die dann aber oftmals nur mit großem Aufwand mit externen Systemen über Schnittstellen verbunden werden kann.

Sie sind kürzlich in den Vorstand des VuV gewählt worden. Werden Sie dort vor dem Hintergrund Ihrer Erfahrungen bei der Maiestas auch für Digitalisierungsfragen zuständig sein? 

Ahrens: Ich bin sicher nicht die Quotenfrau im Vorstand des VuV, die sich nur um "Frauen und Finanzen" kümmern wird. Geplant ist tatsächlich, dass ich mich wegen meiner Erfahrungen bei der Maiestas gegebenenfalls dem Thema Digitalisierung annehmen werde, das eruieren wir noch. Es geht ja für alle Vermögensverwalter darum, effektiver und effizienter zu arbeiten. Das geht nur mit einer gut ausgebauten IT, woran es bei vielen Kollegen aber noch hapert. Das ist auch eine Frage der Einstellung: Ein Unternehmen muss diesen Schritt zwar von sich aus gehen, der VuV sollte seine Mitglieder hierbei aber unterstützen.

Was kann oder sollte der Verband denn tun?

Ahrens: Ein Verband kann keine Systeme selbst entwickeln. Denkbar ist aber, dass wir die Angebote prüfen und Empfehlungen aussprechen, um den aktuellen Wildwuchs einzudämmen. Hier ist aber noch gar nichts entschieden. Das machen wir eventuell auf einer Vorstandstagung Anfang Juli, auf der wir viele Themen besprechen müssen, auch wichtige regulatorische.

Sie spielen sicher auf das Wertpapierinstitutsgesetz an. Was ist Ihre Meinung dazu?

Ahrens: Die Herausnahme der Wertpapierdienstleister aus dem Kreditwesengesetz ist sehr gut, da für kleinere Institute bislang die gleichen Regeln galten wie für eine Großbank. Der Knackpunkt ist nun, ob das neue Gesetz auch zu Erleichterungen beim Reporting für die kleineren Vermögensverwalter führen wird. Die Bafin hat sich aber noch nicht verbindlich zu möglichen Anpassungen der MaRisk oder der MaComp geäußert.

Wir danken für das Gespräch. (jb)