Seit Anfang 2020 verantwortet Torsten Knapmeyer den Vertrieb der Deka, im April dieses Jahres rückte er in den Vorstand auf. Der Absatz, den das Wertpapierhaus der Sparkassen unter seiner Ägide erzielen konnte, fällt angesichts der Corona-Krise erstaunlich gut aus: Im vergangenen Jahr sammelte die Deka stolze acht Milliarden Euro mit Publikumsfonds ein.

Im Interview mit FONDS professionell, das in voller Länge in der soeben veröffentlichten Ausgabe 2/2021 erschienen ist, nennt Knapmeyer dafür mehrere Gründe: Zum einen hätten viele Kunden wegen des erzwungenen Konsumverzichts viel Geld gespart. "Die Frage war für diese Menschen: Wohin sinnvoll mit dem Geld?", so Knapmeyer. "Es breitet sich gerade eine neue Wertpapierkultur aus. Das Wertpapiersparen hat das klassische Sparen abgelöst." Hinzu komme, dass viele Kunden mehr Zeit gehabt hätten, sich mit Finanzfragen und ihrer Geldanlage zu beschäftigen. "Niemand möchte Geld investieren mit dem Ziel, dass es real mit der Zeit weniger wird, so wie es mit Zinsanlagen seit Jahren der Fall ist", sagt der ehemalige Sparkassenvorstand, der vor 15 Jahren zur Deka kam.

Zuwachs bei Sparplänen "fast schon exponentiell"
Die Deka betreute zuletzt rund sechs Millionen Fondssparpläne, fast doppelt so viele wie noch vor fünf Jahren. "Der Trend zu Sparplänen ist wirklich in der Breite angekommen", betont Knapmeyer. "Der Zuwachs ist nicht linear, sondern fast schon exponentiell. Sprich: Die Wachstumsrate war 2020 höher als im Vorjahr, und für dieses Jahr zeichnet sich eine weitere Beschleunigung ab."

Das regelmäßige Sparen sei über die Jahre zu einem "wichtigen Fundament" für das Geschäft der Deka geworden. "Wir kommen aus einer Welt, in der man beim Wertpapiergeschäft vor allem an Einmalanlagen einer eher vermögenden Klientel dachte", erinnert Knapmeyer. "Die normalen Kunden waren mit ihrem Sparbrief zufrieden, der ein paar Prozent Zinsen abwarf. Doch diese Zeiten sind vorbei."

"Wir stehen natürlich im Wettbewerb mit anderen Anbietern"
Knapmeyer weiß, dass die Deka ihre Produkte im Retailgeschäft zwar exklusiv über die Sparkassen anbieten, die Sparkassen aber keineswegs nur Deka-Fonds einsetzen müssen. "Wir stehen natürlich im Wettbewerb mit anderen Anbietern", sagt er. "Die Kunden können auch andere Fonds kaufen, und das ist ja auch gut so. Als Wertpapierhaus sind wir für die Sparkassen, entsprechende Produktqualität vorausgesetzt, dennoch die erste Wahl, denn anders als andere Anbieter sind wir als Teil der 'Familie' eben auch da, wenn es mal nicht so gut läuft."

Die Deka kooperiert seit gut zwei Jahrzehnten mit zehn ausgewählten Drittfondsanbietern. Aktuell sind dies (in alphabetischer Reihenfolge) Blackrock, Columbia Threadneedle, Fidelity International, Franklin Templeton, Goldman Sachs AM, Janus Henderson Investors, J.P. Morgan AM, Schroders, Swisscanto und UBS Global AM. Zu einigen Fonds dieser Häuser werden die Sparkassen mit Informationspaketen versorgt, sie können zudem im Dekabank-Depot verwahrt werden. "Kooperationspartner sind für uns immer da sinnvoll, wo wir keine eigene Expertise aufbauen oder vorhalten wollen", erläutert Knapmeyer.

Aktuell beschäftige sich die Deka in einem Projekt mit dieser Kooperationspartnerstrategie. "Wir analysieren, welche Drittfonds die Sparkassen in ihren Produktkörben haben, und werden in Erfahrung bringen, inwieweit sich die Sparkassen mehr Unterstützung durch uns wünschen." Wird die Zahl der externen Asset Manager, die die Deka quasi huckepack mit in die Sparkassen nimmt, perspektivisch also steigen? "Möglicherweise", so Knapmeyer. "Nach all den Jahren ist es sicherlich kein Fehler, zu überprüfen, wie die einzelnen Partnerfonds in die Zeit passen. Es geht nur darum, den Sparkassen mit einer sinnvollen Auswahl den bestmöglichen Mehrwert zu bieten." (bm)


Das ausführliche Interview ist in FONDS professionell 2/2021 ab Seite 380 erschienen. Dort äußert sich Torsten Knapmeyer auch zum Angebot der Deka im Segment der nachhaltigen Geldanlage, zum ETF-Geschäft des Wertpapierhauses und dem Robo-Advisor Bevestor. Angemeldete Nutzer können den Artikel auch hier im E-Magazin lesen.