DBV: KI könnte jeden vierten Bankjob kosten
Künstliche Intelligenz dürfte Banken langfristig massiv verändern. Der Deutsche Bankangestellten-Verband erwartet zwar deutliche Stellenverluste, sieht kurzfristig aber geringere Auswirkungen – auch wegen des demografischen Wandels.
"Langfristig, also über die nächsten zehn Jahre, könnte bis zu einem Viertel der Jobs bei Banken wegen KI wegfallen", sagte Stephan Szukalski, Bundesvorsitzender des Deutschen Bankangestellten-Verbands (DBV) in einem Interview mit "Bloomberg". KI sei ein Gamechanger. "Doch kurzfristig – also über die nächsten zwei oder drei Jahre – werden die Job-Verluste nicht sehr groß sein."
Szukalski zufolge sind die Erwartungen vieler Banken an den KI-Einsatz derzeit zu optimistisch. Vieles sei aktuell noch Wunschdenken. Mit KI lasse sich längst nicht alles umsetzen, was Banken sich noch vor einigen Monaten erhofft hätten. Zudem würden Regulatoren nicht jede Anwendung genehmigen, etwa mit Blick auf Datenschutzfragen.
Beschäftigte sorgen sich um ihre Jobs
Dennoch sei die Verunsicherung unter Beschäftigten groß. Laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage sorgt sich etwa jeder vierte Mitarbeiter in der deutschen Bankenbranche wegen künstlicher Intelligenz um den eigenen Arbeitsplatz. Besonders ausgeprägt sei die Sorge bei Beschäftigten mit vergleichsweise niedrigen Einkommen.

Die möglichen Stellenverluste über einen längeren Zeitraum seien für ihn jedoch nichts, was ihm "Schweißperlen auf die Stirn treibt", sagte Szukalski. Aufgrund des demografischen Wandels würden Banken in den kommenden zehn Jahren ohnehin bis zu ein Drittel ihrer Beschäftigten verlieren. Gleichzeitig seien Institute auf qualifiziertes Personal angewiesen, das wegen des Fachkräftemangels schwer zu finden sei.
Banken spüren demografischen Wandel besonders stark
Nach Angaben Szukalskis haben Banken insbesondere zwischen 1995 und 2010 mehrere Personalabbau-Runden durchlaufen. In dieser Zeit seien zudem kaum Nachwuchskräfte eingestellt worden. Das wirke sich nun negativ aus, weil Beschäftigte aus diesen Jahrgängen heute typischerweise die Senior-Positionen der in Ruhestand gehenden Führungskräfte übernehmen würden. Der Kreis potenzieller Nachfolger sei deshalb vergleichsweise klein.
Banken seien "deshalb vom demografischen Wandel mehr betroffen als andere Wirtschaftszweige", sagte Szukalski. Es sei davon auszugehen, dass Institute bemüht sein dürften, Mitarbeiter zu halten, selbst wenn sich Tätigkeitsprofile durch KI verändern.
"Ich habe selten eine Veränderung in der Bankenbranche erlebt, bei der die Banken so sehr auf ihre Mitarbeiter eingehen wie gerade jetzt bei der KI. Sie sind bemüht, ihre Schäfchen an Bord zu halten", erklärte Szukalski.
Einfache Tätigkeiten besonders betroffen
Gefährdet seien vor allem einfache Tätigkeiten, etwa in der Kreditsachbearbeitung. Dazu zählten beispielsweise die Bearbeitung von Kreditsicherheiten oder Verträgen. Solche Aufgaben könnten künftig verstärkt von KI übernommen werden.
Szukalski rät Beschäftigten im Bankensektor daher, "sich auf KI einzulassen, sich dem Thema zu stellen, die KI in den Arbeitsalltag einzubinden". Auch Weiterbildungsangebote sollten genutzt werden. "Man darf sich der Veränderung nicht entziehen und KI verteufeln. Es gibt viele gute Anwendungsgebiete, die den Arbeitsalltag von Bank-Beschäftigten erleichtern können." (mb/Bloomberg)














