Digitale Technologien bieten ganz neue Möglichkeiten der Manipulation: Als sogenannte "Deep Fakes" bezeichnen Computerspezialisten gefälschte Videos und Audiodateien, die überzeugend echt aussehen und klingen. Das vielleicht berühmteste Beispiel hierfür lieferte Mitte Juni Mark Zuckerberg: In einem als CBS-Nachrichtenbeitrag getarnten Interview schwadronierte der Facebook-Gründer zur Verwunderung der Zuschauer von der Daten-Weltherrschaft seines Multimilliarden-Konzerns. Urheber des als Fälschung mit bloßem Auge nicht zu entlarvenden Clips sind die beiden Künstler Bill Poster und Daniel Howe, die sich die Technik der israelischen Firma Canny AI zunutze gemacht hatten.

Mithilfe eines derart manipulierten Videos könnte beispielsweise UBS-Chef Sergio Ermotti jederzeit einen dramatischen Einbruch der Geschäftszahlen verkünden – ohne dass er tatsächlich vor der Kamera steht. Ein solcher Vorfall hätte dramatische Folgen für die Schweizer Großbank. Er würde mindestens den Aktienkurs des Unternehmens einbrechen lassen und hätte im schlimmsten Fall sogar Konsequenzen auf die Bonität.

Die Ratingagentur Moody’s warnt darum vor der Sprengkraft, die Deep Fakes für die Finanzindustrie bergen. "Gezielte Desinformations-Kampagnen im Netz ließen sich bislang relativ gut und schnell aufdecken", zitiert das Schweizer Finanzportal Fintechnews die Autoren der Studie. Mit den neuesten Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz werde dies jedoch immer schwieriger.

Online-Präsenz ist unerlässlich
Deshalb müssten die Firmen reagieren und anfangen, Vorkehrungen zu treffen. Die Autoren raten zu einer Kombination aus Technologie und Erziehung: Spezialisten sollten rund um die Uhr die Social-Media-Kanäle beobachten und jegliche Auffälligkeiten unverzüglich melden. Außerdem sei es für Unternehmen unerlässlich, selbst in den Sozialen Median aktiv zu sein, um dieses Feld nicht den Produzenten von "Fake News" zu überlassen. Denn so können sie ihr Profil in der virtuellen Welt schärfen. Für Betrüger werde es dadurch schwieriger, dieses Bild zu demontieren, schreibt Fintechnews. (fp/ps)