Die Frankfurter Volksbank und die Taunus Sparkasse gehen in Sachen Filiale ungewöhnliche neue Wege: Seit rund einem Jahr teilen sich die beiden Institute bei insgesamt 26 ihrer Geschäftsstellen die Räumlichkeiten. Die eine Hälfte der Woche begrüßt das "Sparkassen-Rot" die Kunden in den neu geschaffenen "Finanzpunkten", an den anderen Tagen strahlen die Filialen im "Volksbanken-Blau". Im Gespräch mit FONDS professionell, das in voller Länge in der soeben veröffentlichten Ausgabe 2/2021 erschienen ist, ziehen die beiden Vorstandsvorsitzende der Institute ein positives erstes Fazit dieser Kooperation.

"Die Nutzung der einzelnen Finanzpunkte liegt mit bis zu 30 Serviceanliegen und bis zu vier Beratungsgesprächen am Tag deutlich über unseren Erwartungen", sagt Oliver Klink, der dem Vorstand der Taunus Sparkasse vorsteht. Die gemeinsamen Standorte hätten sich quasi vom ersten Tag an auch als Beratungstreffpunkt herauskristallisiert. "Die Beratung vor Ort führt durchschnittlich zu mehr als 1,2 Produktabschlüssen pro Standort und Tag. Auch das ist richtig gut", so Klink.

Rund fünf Millionen Euro investiert
"Den Vertriebsweg 'Filiale' muss man immer neu denken", betont Eva Wunsch-Weber, seit 2012 Vorstandschefin der Frankfurter Volksbank. "Wir müssen uns immer überlegen, wie eine Geschäftsstelle heute aussehen muss, damit der Kunde sie auch annimmt. Ein klares Design, eine moderne Technik, auch in den Prozessen. Filialen wie vor 20 Jahren würden heute nicht mehr funktionieren."

Klink beziffert die Kosten je bemannten Finanzpunkt im Interview auf rund 250.000 Euro. Insgesamt seien rund fünf Millionen Euro an Investitionen angefallen. "In der Gewinn- und Verlustrechnung sind die Finanzpunkte im operativen Geschäft jedoch seit dem ersten Tag profitabel", betont er.

"Die Mitarbeiter kennen das Bankgeschäft der Zukunft"
Gab es Sorgen in der Mitarbeiterschaft, beispielsweise mit Blick auf die langfristige Sicherheit des Arbeitsplatzes? "Es war genau anders herum", meint Klink. "Wenn Sie an einem 'alten' Standort sitzen und nichts zu tun haben und Ihnen langweilig ist, machen Sie sich – wenn Sie wirtschaftlich denken – Sorgen um den Erhalt Ihres Arbeitsplatzes. Jetzt in den Finanzpunkten, die gut ausgelastet sind und ausreichend Frequenz haben, gibt es für die jeweiligen Kolleginnen und Kollegen – je zwei Angestellte sind unter der Woche an drei Standorten tätig – diese Sicherheit."

Wunsch-Weber berichtet, der Betriebsratsvorsitzende habe voll hinter dem Konzept gestanden. "Die Idee bietet ja auch Perspektiven", meint sie. Die Mitarbeiter in den gemeinschaftlichen Filialen seien "Mit-Innovatoren" – mit Laptop, E-Dienstwagen und papierlosem Büro. "Die Mitarbeiter wissen, wie das Bankgeschäft in der Zukunft sein wird", sagt die Volksbank-Chefin. "Und sie identifizieren sich sehr stark mit der Idee: Sie bezeichnen sich selbst als die 'Finanzpunktler'."

"Wir können uns jetzt unmittelbar messen"
Die beiden Vorstände äußern sich in dem Gespräch auch zu Kritik am Modell der geteilten Filialen. So lehnt der Chef einer nordrhein-westfälischen Sparkasse das Modell für sein Haus mit folgenden Worten ab: "Wir sind Marktführer in unserem Geschäftsgebiet, warum soll ich mir die Konkurrenz buchstäblich ins eigene Haus holen?" Wunsch-Weber entgegnet dem, man habe immer betont, dass Finanzpunkte eine Alternative sein könnten – aber eben nicht zwingend seien. "Wir haben den Mut, über die Nähe den Wettbewerb weiterzuentwickeln", sagt sie. "Wir können uns jetzt unmittelbar messen, da können beide Häuser nur daran wachsen." (mh/bm)


Das vollständige Interview lesen Sie in FONDS professionell 2/2021 ab Seite 398 oder hier im E-Magazin (Anmeldung erforderlich).