Im öffentlich-rechtlichen Bankensektor nehmen die Deka sowie einige der Landesbanken die Rolle als zentrale Fondslieferanten ein. Zudem wählt die Deka von einem knappen Dutzend Drittanbietern, den "Kooperationspartnern", Produkte aus, die sie den Sparkassen zum Vertrieb bereitstellt. Doch einige Institute wollen über diesen Horizont hinaus und auch Fonds von Anbietern außerhalb des Sparkassenverbunds anbieten.

Die technischen Hürden dafür sind aber hoch. Zudem erschweren regulatorische Anforderungen zunehmend dieses Unterfangen. Entsprechend stößt die von der Nord LB und dem Frankfurter Softwarehaus Dericon entwickelte Plattform "BIS.on WMS" auf hohes Interesse unter den Instituten, berichtet Dericon-Co-Geschäftsführer Andreas Krause im Interview. Zudem unterstützen namhafte Anbieter wie DJE Kapital, Allianz Global Investors oder Alliance-Bernstein sowie Invesco das Projekt.


Herr Krause, wie kam die Idee auf, dass Sparkassen eine Datenplattform für den Vertrieb von Fonds externer Anbieter wünschen?

Andreas Krause: Die Sparkassen mussten sich bisher sämtliche Produktdaten und Beratungsdokumente für die sogenannten Drittprodukte selbst beschaffen und eine eigene Datenbank anlegen. Für jede weitere Anforderung kamen weitere Daten hinzu, die beschafft werden mussten. Innerhalb des Verbundes gab es bis zur Einführung unserer Plattform BIS.on WMS keine adäquate Lösung für Drittprodukte, insbesondere für das Private Banking.

Wie gelangen die Daten der Drittfonds zu den Sparkassen?

Krause: Unser Partner Nord LB verfügt als sogenannter technischer Research-Partner über eine Schnittstelle zu OSPlus, dem Beratungssystem der Sparkassen. Die NordLB wollte für die Sparkassen eine Lösung schaffen, mit der alle relevanten Daten für Fonds und Zertifikate von Drittanbietern per Knopfdruck an OSPlus übertragen werden können. Mit einer Übertragung per Mausklick fällt der bisherige massive manuelle Aufwand weg und zudem erhöht sich die Prozesssicherheit für die jeweilige Sparkasse.

Wie kam die Partnerschaft mit der Nord LB zustande?

Krause: Mit der Nord LB gingen wir bereits 2012 eine Kooperation ein. Zusammen bauten wir die Nord-LB-Zertifikate-Plattform auf. Damit konnten Sparkassen Zertifikate von Emittenten außerhalb des Verbunds einfacher in ihre Beratung einbinden. Daraus entsprang die Idee, das Angebot deutlich zu erweitern, sowohl was die Produktpalette angeht, als auch im Hinblick auf den Funktionsumfang. Hintergrund sind die zunehmenden Verfahrensanforderungen an die Sparkassen.

Liegen solche Angebote nicht im Spielfeld anderer Verbundanbieter wie der Dekabank?

Krause: Die Idee der Nord LB ist es, sich als unabhängiger Dienstleister für den Beratungsprozess der Sparkassen anzubieten. Dafür ist sie auch insofern der ideale Partner, da sie keinen nennenswerten Interessenkonflikten unterliegt. Sie tritt im Privatkundengeschäft, im Gegensatz zu den anderen Verbundanbietern, entweder gar nicht oder nur über Speziallösungen als eigener Produktanbieter auf.

Wie kommt das Angebot an?

Krause: Der Erfolg gibt der Nord LB recht und zeigt, dass sie mit dem Angebot einen Nerv getroffen hat. Innerhalb weniger Wochen konnten bereits fast 60 Sparkassen für BIS.on WMS gewonnen werden.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)


Einen ausführlichen Bericht über die neue Datenplattform von Nord LB und Dercion finden Sie in der Heftausgabe 3/2021 von FONDS professionell, die Ende September erscheint.