Sal. Oppenheim wird aufgespalten. Das Investment Management geht in der Deutschen Asset Management auf, die Privatkunden werden künftig aus dem Wealth Management der Deutschen Bank heraus betreut. Das teilte die Deutsche Bank am Donnerstag mit.

Die Meldung ist ein Paukenschlag – auch wenn sie nicht ganz überraschend kommt. Schon im April gab es Spekulationen darüber, dass das institutionelle Geschäft der Kölner Privatbank in die Deutsche AM integriert werden soll, um die Fondssparte der Deutschen Bank für ihren geplanten Börsengang aufzuhübschen (FONDS professionell ONLINE berichtete). Kurz zuvor hatte Sal.-Oppenheim-Chef Wolfgang Leoni, der das Institut nach turbulenten Jahren wieder in ruhigeres Fahrwasser gelenkt hatte, die Bank verlassen. Vermutlich war er mit den Gedankenspielen in der Frankfurter Zentrale, die nun Realität werden, nicht einverstanden.

Die Traditionsmarke wird aufgegeben
Die quantitative Investmentexpertise von Sal. Oppenheim gilt innerhalb des Konzerns als echtes Asset – die entsprechenden Strategien der Kölner für institutionelle Investoren überzeugen seit Jahren mit guten Ergebnissen. "Mit dieser Expertise wird die Vermögensverwaltung von Sal. Oppenheim ein Gewinn für die Deutsche Asset Management sein", lässt sich Deutsche-AM-Chef Nicolas Moreau in der Pressemitteilung zitieren. Die Deutsche Bank möchte Teile ihre Fondssparte an die Börse bringen, um ihr Kapital aufzupolstern – im kommenden Jahr soll es soweit sein. Der Verkauf von rund einem Viertel der Anteile soll bis zu zwei Milliarden Euro einspielen.

In den Geschäftszahlen wird die Quant-Sparte von Sal. Oppenheim bereits der Deutschen AM zugeschlagen. Die rechtliche und operative Integration ist für das erste Quartal 2018 geplant. Die Überführung der Privatkunden in die Deutsche Bank soll im Laufe des kommenden Jahres erfolgen. "Nach Abschluss der Integration der Geschäftsbereiche wird die Deutsche Bank die Marke Sal. Oppenheim nicht weiter betreiben", heißt es in der Pressemeldung. Die Deutsche Oppenheim Family Office bleibe als eigenständiges Family Office weiter bestehen.

Einst Europas größte Privatbank, bald Geschichte
"Dieser Schritt ist uns sehr schwer gefallen. Letztendlich ließ die Ertragssituation uns aber keine andere Wahl", so der zuständige Deutsche-Bank-Vorstand Christian Sewing. Es sei geplant, möglichst vielen Mitarbeitern aus dem Wealth Management eine "berufliche Perspektive" im Deutsche-Bank-Konzern zu bieten. Die Quant-Experten von Sal. Oppenheim sollen auf eine Betriebsstätte der Deutschen AM in Köln übertragen werden.

Für die Traditionsbank Sal. Oppenheim wird damit das letzte Kapitel aufgeschlagen. Zeitweise war das Institut die größte unabhängige Privatbank Europas und beschäftigte mehr als 3.000 Menschen. Heute arbeiten einem "Handelsblatt"-Bericht zufolge nur noch 320 Beschäftigte für Sal. Oppenheim.

Vertreter der siebten Generation der Gründerfamilie und einige angestellte Manager führten das Institut an den Rand des Untergangs, unter anderem mit riskanten Engagements beim Handelskonzern Arcandor. Ein Notverkauf an die Deutsche Bank bewahrte das Institut im Jahr 2009 vor dem Aus – knapp ein Jahrzehnt später wird es nun doch beerdigt. (bm)