Die Deutsche Bank hat offiziell bestätigt, mit der Commerzbank über einen Zusammenschluss zu sprechen. "Mit Blick auf sich bietende Opportunitäten hat der Vorstand der Deutschen Bank beschlossen, strategische Optionen zu prüfen", teilte das Frankfurter Institut am Sonntag mit. "Diese Optionen wird der Vorstand daraufhin bewerten, ob sie Wachstum und Profitabilität der Bank stärken."

Noch aber stehen die Verhandlungen ganz am Anfang. Es gebe keine Gewähr, dass es zu einer Transaktion komme, betont die Bank. "Wir müssen uns mit Gelegenheiten beschäftigen, wenn sie sich bieten. Die Konsolidierung der Bankenbranche in Deutschland und Europa ist für uns ein wichtiges Thema. Wir werden ausschließlich wirtschaftlich sinnvolle Optionen verfolgen", verspricht Deutsche-Bank-Vorstandschef Christian Sewing in einem Memo an die Belegschaft, aus dem Bloomberg zitiert.

In den vergangenen Monaten hatte es immer lauter werdende Gerüchte über eine mögliche Fusion der beiden Geldhäuser gegeben. Zuletzt hatte sogar Bundesfinanzminister Olaf Scholz die Diskussion befeuert. "Es gibt Beratungen über die Situation, wie sie ist. Die Bundesregierung ist ein fairer Begleiter von privatwirtschaftlichen Diskussionen", sagte Scholz (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Großaktionär plädiert für Schulterschluss
Zuvor hatte der Großaktionär Cerberus laut Medienberichten seine Meinung geändert – er befürwortet nun einen Zusammenschluss. Ende 2017 hatte Cerberus-Chef Stephen Feinberg noch erklärt, dass er keine Fusion anstrebe. Cerberus gehört zu den größten Aktionären beider Banken. Eine "Deutsche Commerzbank" wäre zwar keines der Topinstitute in Europa, die beiden Banken könnten aber nach Ansicht von Cerberus den technologischen Wandel gemeinsam besser bewältigen. Auch andere Aktienanleger goutieren die Pläne der beiden führenden deutschen Geschäftsbanken offenbar. Im frühen Montagshandel führten die Anteilscheine der möglichen Partner ihre jeweiligen Indizes (Dax respektive M-Dax) mit klarem Vorsprung an.

Aus kartellrechtlicher Sicht dürfte einer Fusion trotz eines addierten Anteils am deutschen Markt für Privatkunden von schätzungsweise einem Fünftel wenig im Wege stehen. "Die Geschäftsfelder der beiden Banken überschneiden sich entweder nur gering oder sind spürbarem Wettbewerb ausgesetzt – auch noch nach einer möglichen Fusion", zitiert die "Rheinische Post" aus einem Gespräch mit Achim Wambach. Bedenken äußert der Chef der Monopolkommission allerdings an anderer Stelle: "Durch den Zusammenschluss entsteht möglicherweise eine neue Bedrohung für die Finanzwelt, nämlich durch einen Anstieg des Systemrisikos." 

Arbeitsplatzabbau als große Hürde
Erhebliche Zweifel melden Arbeitnehmervertreter an – allen voran wegen wahrscheinlicher Jobverluste, die Branchenkenner gemessen an der addierten Gesamtbelegschaft des Bankenduos von rund 133.000 Vollzeitstellen auf wenigstens knapp acht und in der Spitze auf bis zu 22 Prozent beziffern.

"Wir lehnen eine mögliche Fusion beider Häuser mit Blick auf die Gefährdung von zehntausenden Arbeitsplätzen ab", erklärt Jan Duscheck, Bankenexperte bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Eine Fusion käme seiner Ansicht nach zur Unzeit, brächte sie doch vor allem zusätzliche Risiken und Probleme für beide Banken, ohne dass "alte Baustellen" bereits abgearbeitet wären. Ein Mehrwert für die Institute selber, die Verbraucher, die Wirtschaft und für die Beschäftigten sei nicht erkennbar. (bm/ert/ps)