Die geplante Reform des deutschen Rentensystems dürfte sowohl dem Land als auch der Finanzbranche einen erheblichen Schub verleihen. Das sagte der Finanzvorstand der Deutschen Bank, Raja Akram, am Mittwoch (29.7.) in einem Gespräch mit "Bloomberg TV". Die Reform sei "ein echter Wendepunkt – sowohl für die Deutschen als auch für die Banken", befand Akram. Zusammen mit positiven regulatorischen Entwicklungen und höheren öffentlichen Ausgaben sei sie einer der Gründe, warum die Deutsche Bank inzwischen davon ausgehe, ihre Ziele für 2028 möglicherweise zu übertreffen.

Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz hat mehrere Vorschläge vorgestellt, mit denen ein erheblicher Teil der Altersvorsorgegelder in die Kapitalmärkte gelenkt werden soll. Davon könnten Banken, Vermögensverwalter und Fondsgesellschaften profitieren, darunter auch die Fondstochter der Deutschen Bank, die DWS.

Akram bezog sich zudem auf ein Projekt der Europäischen Union, das die Wettbewerbsfähigkeit der Bankenbranche verbessern soll. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing, nannte in einer gesonderten Stellungnahme mehrere mögliche politische Änderungen in diesem Bereich als positive Entwicklungen. Dazu gehörten eine Unterstützung der Kreditvergabe an Unternehmen ohne Rating sowie Erleichterungen bei Eigenkapitalanforderungen für Marktrisiken im Handelsbuch.

Ermutigende Schritte
Auch bei der Reform der privaten Altersvorsorge gebe es ermutigende Schritte, sagte Sewing. "Mit der Kombination aus 19 Millionen Privatbankkunden in Deutschland, Expertise im Wealth Management und Deutschlands führender Vermögensverwaltung sind wir gut positioniert, bestehende und neue Kunden mit Anlagelösungen zu unterstützen und ihnen zu helfen, an den Chancen eines sich entwickelnden Marktes teilzuhaben", erklärte er.

Der fiskalische Impuls in Deutschland habe sich zwar im ersten Halbjahr noch nicht vollständig ausgewirkt. Inzwischen gebe es jedoch "klare Anzeichen für Aktivitäten sowohl im Verteidigungs- als auch im Infrastrukturbereich", sagte Akram im Interview mit "Bloomberg TV". (Bloomberg/am)