Das Emirat Katar, das nach dem faktischen Austieg des chinesischen Konglomerats HNA der verbleibende Großaktionär der Deutschen Bank ist, hat sich auf die Suche nach einem Nachfolger für Aufsichtsratschef Paul Achtleitner gemacht, wie Bloomberg erfahren haben will. Der Schritt ist überraschend, da die Bank unter Führung von Achtleitner höchstpersönlich bereits ein Komitee zur Auswahl eines Nachfolgers eingerichtet habe. Die katarischen Entscheidungsträger sollen aber überlegen, ob sie Achtleitner vor Ende seiner bis 2022 laufenden Amtszeit zum Verzicht drängen.

Die Entscheidung einiger Repräsentanten der Königsfamilie des arabischen Landes, in Eigenregie einen Aufsichtsratschef zu finden, sei aus Frustration über die Entwicklung bei der Deutschen Bank gefallen. Der Aktienkurs des immer noch größten deutschen Geldinstituts ist während Achtleiterns Amtszeit seit 2012 um 70 Prozent gefallen. Zudem arbeitet der gebürtige Österreicher bereits mit dem vierten Vorstandschef zusammen – Kontinuität an der Spitze einer Bank sieht anders aus. 

Laut Bloomberg haben die Verantwortlichen Kontakt mit einem Personalberater aufgenommen, der ihnen bei der Suche hilft. Allerdings ist nicht klar, wer genau hinter der Suchaktion stecke. Zwei Instituten aus dem Emirat an der Ostküste der arabischen Halbinsel am Persischen Golf, die Paramount Services Holdings und die Supreme Universal Holdings, halten jeweils etwas mehr als drei Prozent an der Deutschen Bank. So weiß auch die Nachrichtenagentur nicht, ob beide gemeinsam agieren oder die Suche nur von einem vorangetrieben wird. Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme gegenüber Bloomberg ab.(jb)