Die HNA Group, mit einem Aktienpaket von knapp zehn Prozent einer der maßgeblichen Eigner der Deutschen Bank und seit einigen Monaten zudem Mehrheitseignerin des österreichischen Asset-Managers C-Quadrat, hat Ärger mit der Schweizer Übernahmekommission. Die Behörde zweifelt daran, dass das chinesische Konglomerat im Zusammenhang mit der 2016 erfolgten Übernahme des eidgenössischen Luftfahrt-Caterers Gategroup seine eigenen Besitzverhältnisse korrekt angegeben hat. Das berichtet die Neue Zürcher Zeitung (NZZ).

Die Meldung heizt das Rätselraten um die tatsächliche Eigentümerstruktur der Gesellschaft weiter an – und erneuert Spekulationen, aus welchen Kanälen die Gelder für die Einkäufe bei der Deutschen Bank und C-Quadrat eigentlich stammen. Obendrein hält der österreichische Fondsanbieter stellvertretend für HNA auch noch die Aktien an der Deutschen Bank.

Nicht zum ersten Mal wurde das HNA-Management aufgefordert, seine Besitzverhältnisse offenzulegen. Der letzte Versuch allerdings warf mehr neue Fragen auf, als alte geklärt werden konnten. Auch die Europäische Zentralbank stellt die Kreditwürdigkeit des fernöstlichen Investors in Zweifel. Hartnäckig hält sich zudem der Vorwurf, HNA sei in Wirklichkeit ein gut kaschiertes Korruptions- und Geldwäschevehikel für Wang Qishan – die rechte Hand von Partei- und Staatschef Xi Jinping.

Wie kam eine New Yorker Stiftung an das größte HNA-Aktienpaket?
Im Zentrum der Ermittlungen der Schweizer Behörde, welche die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften bei Übernahmen überwacht, steht vor allem das größte Aktienpaket an der HNA in Höhe von 29,5 Prozent. Dieses liegt offiziell in den Händen einer erst 2016 gegründeten unbekannten gemeinnützigen New Yorker Stiftung.

Weitere 22,75 Prozent hält den von HNA vor Kurzem bekanntgegebenen Daten zufolge eine zweite Stiftung auf Hainan; die beiden Gründer Chen Feng und Wang Jian besitzen jeweils knapp 15 Prozent der Anteile. Der Rest liegt bei weiteren Gründern, führenden Managern sowie der Fluglinie Hainan Airlines, aus der HNA ursprünglich selbst hervorgegangen ist.

Unvollständige Offerte
Der NZZ zufolge war die ominöse New Yorker Stiftung in den Angebotsunterlagen für die Gategroup-Übernahme nicht erwähnt worden. Stattdessen nannte das Dokument die beiden Privatpersonen Jun Guan und Bharat Bhisé als Aktionäre, die zusammen genau jene 29,5 Prozent hielten.

HNA-Chef Adam Tan erklärte die mittlerweile vollzogene Änderung damit, dass Guan und Bhisé die Papiere nur treuhänderisch in Aktion getreten seien. Die Übernahmekommission möchte aber nun wissen, wie es zu diesen Transaktionen gekommen ist: Also, wie und warum Guan und Bhisé ihre Anteile an die Stiftung abgaben, und für wen sie die Aktien zuvor gehalten hatten. Die Vermutung, es habe sich bei dem Duo um Strohmänner gehandelt, liegt nicht fern.

Phantom-Investoren aus Fernost
Insbesondere die Person Guans lädt nach einem kürzlich erschienenen Hintergrundartikel der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) zu Spekulationen über HNA ein. Journalisten hatten Guan, der in der Geschäftswelt vollkommen unbekannt ist, an seinem offiziellen Wohnsitz aufsuchen wollen. Dieser entpuppte sich als ein heruntergekommenes Wohnsilo im Süden Pekings. Ein paar Tage danach trat dann ein Mitdreißiger in einem kurzen Video auf und stellte sich als Jun Guan vor. Über sein Verhältnis zu HNA verlor er laut der SZ aber kein Wort.

Aufmerksame Beobachter fühlen sich an einen anderen Vorgang ungut erinnert: So sorgte der Mitgründer des chinesischen Firmenkonglomerats Fosun in der Vergangenheit für ähnliche Irritationen wie HNA. Der Selfmade-Milliardär Guo Guangchang war im Dezember 2015 während landesweiter Korruptions-Ermittlungen chinesischer Behörden für mehrere Tage unauffindbar, der Verkaufsprozess bei der deutschen Privatbank Hauck & Aufhäuser (H&A) an Fosun daher wochenlang auf Eis gelegt gewesen.

US-Banken ziehen sich zurück
Die nebulösen Besitzerstrukturen haben in anderer Hinsicht bereits Konsequenzen für HNA. Laut der SZ entschied sich die Bank of America, keine Geschäfte mehr mit dem Konzern zu machen. Auch Goldman Sachs arbeitet nicht mehr mit HNA zusammen. In beiden Fällen hätten Top-Manager die Absagen mit der undurchsichtigen Eigentümerstruktur begründet, schreibt die Zeitung.

In Deutschland ist man noch nicht soweit. Neben der Deutschen Bank hat HNA vor Kurzem auch den Flughafen Hahn mehrheitlich übernommen. Zu einem Festakt Anfang August sollte der neue von HNA abgestellte Geschäftsführer des Bilig-Airports höchstpersönlich erscheinen. Auch eine Boeing 747 war extra aus China einbestellt worden. Zumindest das Flugzeug erreichte den Flughafen, wenn auch mit großer Verspätung – der angekündigte Geschäftsführer hingegen tauchte nie auf. (jb/ps)