Deutschlands größtes Bankhaus plant Bonuserhöhungen für Investmentbanker, die weit überdurchschnittliche Leistungen abgeliefert haben. "Ein Unternehmen wie unseres muss in der Lage sein, konkurrenzfähige Performance auch zu honorieren", sagt der Finanzvorstand der Deutschen Bank, James von Moltke, in einem Interview mit Bloomberg Television. Das Geschäft lief zuletzt ordentlich. Die Erträge aus dem Anleihehandel sind um 47 Prozent gestiegen, die Prognose für den Wertpapierbereich hatte die Bank jüngst für das Gesamtjahr angehoben.

Die coronabedingten Marktturbulenzen sorgen weltweit für eine Renaissance im Investmentbanking, von der die Deutsche Bank besonders profitiert. Vor allem dank der Investmentbanker verdiente das größte deutsche Geldhaus im dritten Quartal vor Steuern 482 Millionen Euro nach einem Verlust von 687 Millionen Euro im selben Zeitraum vor einem Jahr. Um Topkräfte nicht an Konkurrenten zu verlieren, will das Institut nun offenbar 1,9 Milliarden Euro an Boni ausschütten, zitiert Bloomberg aus Bankkreisen. Das ist zwar kaum mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Angestellten ist aber simultan gesunken. Deshalb sei es möglich, Top-Performer der Bank besonders zu honorieren, schreibt die Nachrichtenagentur. Die Pläne könnten sich allerdings noch ändern, denn das Gespräch mit der Europäischen Zentralbank (EZB) steht noch aus. 

Geld- und Fiskalpolitik verfälschen Performance
Die Notenbank hatte Europas Finanzhäuser eindringlich gebeten, sich bei den Bonuszahlungen zurückzunehmen, da unklar sei, wie stark die Pandemie die Kapitalpolster beeinträchtigen wird. In EZB-Kreisen sei man zudem der Meinung, dass sich die überdurchschnittliche Leistungen der Händler in diesem Jahr vor allem auf die großzügigen Stimulusmaßnahmen der Regierungen und Notenbanken im Kampf gegen die Pandemie zurückzuführen lassen und daher nicht als Argument für überdimensionale Entlohnungen für Banker dienen sollten, schreibt Bloomberg.

Bei der Deutschen Bank dürfte die endgültige Höhe der Boni auch von der Performance im vierten Quartal sowie den geschätzten Auswirkungen der Pandemie auf das Institut abhängig sein. Die Bank entscheidet traditionell im Dezember über die Boni und zahlt sie im März aus. (fp/ps)