Die Deutsche Bank will offenbar ihr Filialnetz deutlich ausdünnen. Das größte deutsche Geldhaus prüft, rund 200 bis 300 Standorte dicht zu machen, berichtet das "Manager Magazin". Derzeit betreibt das Institut 1300 Filialen. Davon entfallen 850 auf die Postbank. Die Deutsche Bank verwies darauf, dass sie bei einem Investorentag Anfang Dezember angekündigt hatte, das Filialnetz unter die Lupe zu nehmen. Konkrete Angaben zu möglichen Schließungen wollte das Haus nicht machen.

Bankchef Christian Sewing will die Kosten bis 2022 deutlich drücken und weltweit rund 18.000 Stellen streichen. Wie sich die Streichungen auf die Bereiche des Instituts und bestimmte Regionen aufteilen, ist bislang noch nicht klar. Die Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" berichtet nun, dass im Privatkundengeschäft 6.000 Jobs zur Disposition stehen. Diese Zahl umfasse sowohl Stellen, die direkt der Privatkundensparte zuzurechnen sind, als auch Arbeitsplätze mit Querschnittsaufgaben oder im Infrastrukturbereich des Hauses.  

Starken Vertrieb erhalten
Spartenchef Manfred Knof hatte bei dem Investorentreffen angekündigt, noch strikter sparen zu wollen als es Konzernchef Sewing im Sommer angekündigt hatte. Statt um 600 Millionen Euro will der Privatkundenchef die Kosten bis 2022 nun um eine Milliarde Euro drücken. Dem "Handelsblatt" zufolge bedeuten die Filialschließungen aber nicht, dass dort auch die meisten Stellen wegfallen. Knof wolle einen starken Vertrieb erhalten. Eher gehe es um Jobs in der Zentrale sowie um Führungsposten.

Dem "Manager Magazin" zufolge sollen Deutsche Bank und Postbank zudem enger verzahnt werden. So könnten benachbarte Standorte der beiden Marken zusammengelegt werden. Zudem setzt Knof laut "Handelsblatt" bei seinen Sparbemühungen auf die Einführung moderner IT-Systeme, bei der die Techniken von Deutscher Bank und Postbank migriert werden.

Steiniger Ausweg
Die Deutsche Bank will mit dem Sparkurs und einem Strategieschwenk den Weg aus der Krise finden, nachdem die Fusionsgespräche mit der Commerzbank im Frühjahr gescheitert waren. Eine Studie weckte jüngst aber Zweifel, ob in dem schwierigen Umfeld für die Finanzbranche Sparbemühungen allein ausreichen, um wieder wirklich rentabel wirtschaften zu können. Vielmehr bliebe insbesondere den deutschen Banken nicht viel mehr übrig, als grenzüberschreitende Zusammenschlüsse anzustreben. (ert)