Von einer Sommerpause ist in der deutschen Finanzmetropole Frankfurt derzeit nichts zu spüren. Der Skandal um den Zahlungsdienstleister Wirecard und mögliche Konsequenzen für die Finanzaufsicht Bafin halten die Branche in Atem. Ebenso der Wechsel an der Spitze der Commerzbank. Die Deutsche Bank, die in den vergangenen Jahren selbst oft im Blickpunkt der Öffentlichkeit war, steht im Moment als Zuschauer an der Seitenlinie. Möglicherweise engagiert sie sich aber bei der Wirecard Bank, wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Karl von Rohr, in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) bestätigt hat. Auch zu den Investitionen von DWS-Starmanger Tim Albrecht in Wirecard-Aktien, der Rolle der Finanzaufsicht Bafin und eine Reihe anderer Punkte äußerte er sich.

Von Rohr stimmt zwar der Aussage zu, dass der Bilanzskandal beim Zahlungsdienstleister Wirecard dem Finanzstandort Deutschland schadet. Dennoch sollte man diesen nicht schlechter reden, als er ist. "Von größter Bedeutung ist nun, dass zügig geprüft wird, was genau in diesem Fall falsch gelaufen ist, und sicherzustellen, dass sich so etwas nicht wiederholen kann", erklärte er. Aus diesem Grund plädiert von Rohr für eine einheitliche Regulierung von Finanzdienstleistungen, abhängig von ihren tatsächlichen Services und nicht von ihrem Status als Kreditinstitut oder als Nicht-Bank.

Gelegenheiten prüfen
Sein Haus beschäftige sich derzeit mit der Wirecard Bank, sagte der Deutsche-Bank-Vize. "Eine unserer Stärken liegt im weltweiten Zahlungsverkehr. Wenn sich auf diesem Feld also Gelegenheiten ergeben, um uns zu verstärken, dann werden wir diese sicher prüfen", erklärte von Rohr. "Bei der Wirecard Bank sind wir gefragt worden, ob wir uns vorstellen können, sie finanziell zu unterstützen", sagte er der FAZ.  Das wolle sein Haus nun ausloten. 

Auch zum Engagement von DWS-Fondsmanager Tim Albrecht, der einen erheblichen Teil des Vermögens seines Fonds DWS Deutschland in Wirecard-Aktien investiert hatte, äußerte sich von Rohr. "Tim Albrecht hat seine Aufgabe als aktiver Fondsmanager wahrgenommen und steht für seine Anlageentscheidungen gerade", zitiert ihn die FAZ. Albrecht habe schließlich bereits angekündigt, er werde auf seine variable Vergütung verzichten. "Das finde ich sehr anständig. Der tatsächliche Einfluss dieses Investments auf die Fonds-Performance gegenüber dem Vergleichsindex liegt bei 1,77 Prozent", sagte der Deutsche-Bank-Vize.

Geschäft mit Investmentprodukten nimmt wieder Fahrt auf
Aufgrund von Corona geschlossene Filialen dauerhaft zu schließen, plane die Deutsche Bank nicht. "Wir haben unser Filialnetz in den vergangenen drei Jahren um ein Viertel und damit deutlich stärker als die meisten unserer Wettbewerber verkleinert. Und wir werden weiter arrondieren", erklärte von Rohr. Zugleich erteilte er einer Zusammenlegung von Zweigstellen der Deutschen Bank und der nur noch als Marke existierenden Postbank eine Absage.  Es bleibe aber dabei: 18.000 Stellen werden weltweit im ganzen Konzern abgebaut.

Die Pandemie habe auch Spuren im Vertrieb hinterlassen. Vor allem Konsumkredite seien betroffen. "Andererseits sind wir in der Baufinanzierung interessanterweise stärker gewachsen als im Vorjahr, und auch bei Investmentprodukten haben wir – nach einem kurzfristigen Rückgang – wieder Fahrt aufgenommen", sagte von Rohr der FAZ. (jb)