Normalerweise geht es bei Kündigungen im Investmentbanken harsch zu: Binnen weniger Stunden muss der Mitarbeiter in der Regel seinen Schreibtisch räumen. Handels- und Kommunikationssysteme werden ebenfalls sofort gesperrt, um dem Ex-Mitarbeiter keine Möglichkeit für Racheaktionen zu bieten. Doch bei der Deutschen Bank geht man es in Sachen IT-Sicherheit offenbar gemütlicher an – zumindest, was E-Mails angeht: Anfang Juli feuerte das Geldhaus 900 Aktienhändler. Zwar verloren die Mitarbeiter sofort ihre Zugänge zu den Handelssystemen der Bank. Die E-Mail-Zugänge aber blieben für einige weiterhin zugänglich.

Zuerst hatte die "Financial Times" über den Vorfall berichtet: Demnach sollen rund 50 Händler in London und New York noch Wochen nach der Entlassungsrunde Zugriff auf ihre E-Mails gehabt haben. Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte den Bericht gegenüber dem "Handelsblatt": "Der Zugang zu den Handelssystemen wurde umgehend abgeschaltet, als die Mitarbeiter über ihre Entlassung informiert wurden. Eine geringe Anzahl von Mitarbeitern hatte über persönliche Geräte für einen begrenzten Zeitraum weiterhin Zugriff auf ihre Firmen-Emails", zitiert ihn die Zeitung. Nun muss die Deutsche Bank prüfen, ob über die E-Mail-Konten vertrauliche, kursrelevante Daten versendet wurden.

IT-Pannen an der Tagesordnung
Bislang gebe es keinen Beleg dafür, dass preissensible Informationen kommuniziert wurden oder sonstiges Fehlverhalten stattgefunden hat, sagte der Sprecher. Das dürfte Mitarbeiter und Investoren allerdings kaum beruhigen: Denn die nicht gesperrten E-Mail-Konten reihen sich in eine Serie an IT-Missgeschicken ein. Erst im Mai machte die Deutsche Bank einen Software-Fehler öffentlich. Betroffen war ein Programm, das den Zahlungsverkehr von Großkunden überwacht. Jahrelang sollen Parameter unentdeckt falsch programmiert gewesen sein. (fp)