Die von der juristischen Vergangenheitsbewältigung finanziell ausgepowerte Deutsche Bank hat am Sonntag umfassende Maßnahmen zur Stärkung ihrer Geschäfts- und Kapitalbasis beschlossen. Ziel sei es, "die Wurzeln der Deutschen Bank auf ihrem Heimatmarkt sowie ihre Position als führende europäische Bank mit globalem Netzwerk zu stärken", wie es in einer Pressemitteilung heißt. Dabei bricht sie in einigen Punkten mit der bislang verfolgten Unternehmensstrategie.

Einer der wichtigen Schritte ist, einen Minderheitsanteil der Fondssparte Deutsche Asset Management (Deutsche AM) an die Börse zu bringen (lesen Sie hierzu auch den Kommentar von FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch: "Börsengang der Deutschen AM: Ein strategischer Fehler"). Weiterhin wird die Tochter Postbank entgegen früheren Plänen nicht verkauft, sondern mit dem Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank fusioniert. Restrukturierungen kommen auch auf andere Abteilungen zu: Die Bank plant eine integrierte Unternehmens- und Investmentbank. Flankiert werden diese Schritte von einer weiteren Kapitalerhöhung, wie das größte deutsche Bankhaus in der Mitteilung weiter ausführte. Dies hat auch Auswirkungen auf die Struktur des Vorstandes.

Die Schritte sind vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Bank schon seit Jahren mit Problemen kämpft. Alleine 2016 fuhr sie einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro ein, weil der Umbau und etliche große Rechtsstreitigkeiten auf die Erfolgsrechnung drückten. Außerdem fielen die Einnahmen um zehn Prozent auf 30 Milliarden Euro. Obendrein kämpft das größte deutsche Geldhaus mit einem hartnäckigen Vertrauensverlust der Kunden, der auch die Asset-Management-Sparte trifft (FONDS professionell ONLINE berichtete). Als Folge aus all diesen Entwicklungen kämpft die Bank mit einer dünnen Kapitaldecke – trotz einer erst 2014 erfolgten Kapitalerhöhung.

Zwei Milliarden Euro für Deutsche AM
Abhilfe schaffen soll ein Teil-Börsengang der Deutschen AM, den Vorstandschef John Cryan in der Vergangenheit stets ausgeschlossen hatte. Der innerhalb der kommenden zwei Jahre geplante Schritt, sich von gerüchtehalber rund 25 Prozent an dem Fondsanbieter zu trennen, soll zusätzlich zu den acht Milliarden Euro aus einer klassischen Kapitalerhöhung bis zu zwei Milliarden Euro extra in die Kassen des Geldinstituts spülen. Die Bank wird die Mehrheit der Deutsche-AM-Anteile aber zumindest vorerst behalten. "Die Vermögensverwaltung bleibt ein integraler Bestandteil des Geschäftsmodells der Deutschen Bank", betont sie in der Mittelung. Die Gesellschaft soll ihren Hauptsitz in Deutschland haben und an der Börse des Heimatlandes gelistet sein.

Vorstand und Aufsichtsrat der Bank erhoffen sich nach eigenen Angaben durch den Börsengang Wachstum im Geschäft mit Aktiv-, Passiv- und alternativen Anlagen. 2016 musste die Deutsche AM weltweit 41 Milliarden Euro Mittelabflüsse hinnehmen. Schlecht lief es auch auf dem Heimatmarkt: Aus Wertpapierpublikumsfonds des Anbieters zogen heimische Anleger im vergangenen Jahr stolze 12,5 Milliarden Euro ab, mehr als Jahr der Lehman-Pleite 2008, wie aus Zahlen des Branchenverbands BVI hervorgeht (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Kapitalerhöhung
Zudem will die Bank ihre Schlagkraft mit einer weiteren Kapitalerhöhung stärken. Durch die Ausgabe von bis zu 687,5 Millionen neuen Aktien (Bezugsrechtsemission) sollen rund acht Milliarden Euro erlöst werden. Damit soll eine harte Kernkapitalquote von 14,1 Prozent und eine Verschuldungsquote von 4,1 Prozent erreichen werden. Die Bank strebt eine harte Kernkapitalquote von über 13 Prozent und eine Verschuldungsquote von 4,5 Prozent an. Die Emission ist bereits in vollem Umfang von den acht begleitenden Banken Credit Suisse, Barclays, Goldman Sachs, BNP Paribas, Commerzbank, HSBC, Morgan Stanley und Unicredit garantiert. Die Zeichnungsfrist für die neuen Anteilscheine soll am 21. März beginnen und am 6. April 2017 enden.

Postbank wird reintegriert
Eine weitere wichtige Maßnahme ist die Reintegration der Postbank. Sie soll mit dem Privat- und Firmenkundenbereich der Deutschen Bank zusammengehen. Nach mehreren übereinstimmenden Medienberichten konnte die Bank keinen Käufer finden, der den anvisierten Preis für das in Bonn ansässige Institut zu zahlen bereit war. Daher hat sich der Vorstand um John Cryan zu einer Rolle rückwärts entschlossen und den geplanten Verkauf ad acta gelegt.

Der detaillierte Plan für den Zusammenschluss wird im Laufe des Jahres vorgestellt werden. Ziel sei es, Zentralfunktionen und technische Systeme wirtschaftlicher zu nutzen. Synergien sollen das Ergebnis des Geschäftsbereiches Privatkunden bis 2022 um 0,9 Milliarden Euro verbessern. Dazu sind Restrukturierungs- und Abfindungskosten von rund einer Milliarde Euro notwendig. Auch die Digitalisierung werden Deutsche Bank und Postbank künftig gemeinsam vorantreiben. 

Insgesamt strebt die Bank bis 2018 bereinigte jährliche Kosten (inklusive Postbank) von rund 22 Milliarden Euro an, die bis 2021 auf rund 21 Milliarden Euro sinken sollen. 2016 beliefen sich die bereinigten Kosten (nach Beteiligungsverkäufen) noch auf 24,1 Milliarden Euro.

Investmentbanking neu aufgestellt
Nicht zuletzt soll das Beratungs- und Finanzierungsgeschäft mit Unternehmen (Corporate Finance), das Kapitalmarktgeschäft (Global Markets) und die Transaktionsbank zusammengeführt werden. Dadurch sollen Produkte und Vertrieb besser koordiniert, die Kunden effizienter bedient und die Ressourcen wirtschaftlicher genutzt werden.

"Unsere Entscheidungen sind ein wichtiger Schritt, um die Deutsche Bank stärker zu machen und wieder wachsen zu können", so Vorstandschef Cryan. "Die Kapitalerhöhung wird unsere Finanzkraft erheblich verbessern. Mit unserer künftigen Struktur sollten wir bestens positioniert sein, um unsere Erträge und unseren Gewinn wieder zu steigern." (jb)