Die Deutsche Bank hat Ex-Vizekanzler Sigmar Gabriel als Aufsichtsratsmitglied nominiert. Der frühere SPD-Parteichef und Bundesaußenminister soll Jürg Zeltner ersetzen, teilte das größte deutsche Geldhaus mit. Dieser hatte nach nur wenigen Monaten sein Mandat Ende vergangenen Jahres niedergelegt. Grund waren offenbar Bedenken der Finanzaufsicht Bafin, die mögliche Interessenkonflikte wegen Zeltners Position als Vorstandschef der Privatbankengruppe KBL erkannt hatte. Die abgeschmetterte Personalie galt obendrein als Schelle für Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

Dies versucht der in die Kritik geratene Achleitner mit der Nominierung Gabriels nun offenbar zu kitten. Entsprechend dem deutschen Aktienrecht werde Gabriel zunächst gerichtlich als Aufsichtsrat bestellt, um sich bei der nächsten Hauptversammlung den Aktionärinnen und Aktionären zur Wahl stellen, heißt es in der Mitteilung. Den entsprechenden Antrag habe das Institut am Freitag (24. Januar) beim Amtsgericht Frankfurt eingereicht.

"Überzeugter Europäer und Transatlantiker"
"Wir freuen uns sehr, mit Sigmar Gabriel einen überzeugten Europäer und Transatlantiker für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank gewinnen zu können", lässt sich Aufsichtsratschef Achleitner in der Mitteilung zitieren. "Wir erleben geopolitisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich herausfordernde Zeiten, in denen sich eine globale Bank ganz neuen Erwartungen und Anforderungen stellen muss." Als ehemaliger Umwelt-, Wirtschafts- und Außenminister werde Sigmar Gabriel mit seinem großen Erfahrungsschatz einen besonderen Beitrag leisten und die Kompetenz des Hauses im Aufsichtsrat ergänzen.

"Nun eine klare Strategie"
Gabriel bezeichnete es der Mitteilung zufolge als "große Ehre", in den Aufsichtsrat berufen zu werden. "Mit einer nun klaren Strategie und ihrem starken Führungsteam hat die Deutsche Bank als eine der wichtigsten Finanzinstitutionen in Europa die Chance und die Verantwortung, die Zukunft der deutschen und europäischen Wirtschaft mit zu gestalten", so der frühere Spitzenpolitiker.

Neben seinen zahlreichen politischen Ämtern gehörte Gabriel außerdem von 2005 bis 2009 dem Verwaltungsrat der bundeseigenen Förderbank KfW an. Zwischen 2013 und 2017 war er einer der alternierenden Vorsitzenden des Gremiums. Von 1999 bis 2003 saß Gabriel zudem im Aufsichtsrat von Volkswagen, weil er Ministerpräsident des Landes Niedersachsen und damit eines VW-Großaktionärs war. Ob diese Vorerfahrung ausreicht, um die größte deutsche Bank zu kontrollieren, wird nun die Bafin entscheiden. (ert)