Die Deutsche Börse hat Gespräche über die Übernahme der europäischen Fondsplattform Allfunds aufgenommen. Mit einem Volumen von 5,3 Milliarden Euro wäre dies die größte Übernahme in der Geschichte des Handelsplatzbetreibers. Das Unternehmen bestätigte am Donnerstagabend (27.11.) entsprechende Meldungen des Finanznachrichtendienstes "Bloomberg". Demnach bietet die Deutsche Börse 8,80 Euro je Aktie. Dies teilt sich auf in 4,30 Euro in bar und rund 4,30 Euro in neuen Aktien der Deutschen Börse sowie einer erwarteten Bardividende von 0,20 Euro je Aktie.

Mit dem Vorstoß würde das Frankfurter Unternehmen seine Aktivitäten im Fondsgeschäft deutlich ausweiten. So hat der Börsenplatzbetreiber über seine Tochter Clearstream 2020 zunächst einen Mehrheitsanteil an der Fondsplattform "Fondscenter" der Schweizer Großbank UBS erworben. 2021 schluckte die Börse den Dienstleister dann komplett. Bereits 2018 hatte Clearstream der Zürcher Kantonalbank die Fondsplattform Swisscanto Funds Centre abgekauft. Zudem übernahm der Dax-Konzern die Luxemburger Fondsplattform Funds DLT sowie den Datenanbieter Kneip.

"Verfechterin einer florierenden Fondsbranche"
Die Deutsche Börse zeigte sich in der Mitteilung von den "starken strategischen, kommerziellen und finanziellen Vorteilen der Zusammenführung von Allfunds mit dem Fondsdienstleistungsgeschäft" des Unternehmens überzeugt. Ein möglicher Zusammenschluss würde "eine weitere erfolgreiche Konsolidierung darstellen und ein paneuropäisches Ökosystem schaffen". Zudem würde eine Fusion "die Fragmentierung der europäischen Investmentfondsbranche verringern". Die Deutsche Börse Group sei "eine starke Verfechterin einer florierenden Fondsbranche, die für den Status der EU als global relevantes Finanzzentrum von wesentlicher Bedeutung ist".

Festgezurrt ist die Transaktion aber noch nicht. So müsse zunächst noch die Prüfung der Bücher von Allfunds erfolgen. Zudem müssten die Führungsgremien von Deutscher Börse und Allfunds dem Deal zustimmen. Die Aktie der Deutschen Börse startete am Freitag (28.11.) mit einem Plus von fast einem Prozent in den Handel. Die in Amsterdam notierten Titel von Allfunds verzeichneten einen Kurssprung. Während die Allfunds-Aktie am Donnerstagabend noch bei rund 6,70 Euro notierte, handelte sie am Freitagvormittag zeitweise bei 8,20 Euro.

Werkzeuge für Asset Manager
Allfunds bietet Fondsmanagern und Vertriebspartnern Systeme für Handel und Ausführung, Datenanalyse und Compliance-Dienstleistungen. Das verwaltete Vermögen belief sich Ende September auf 1,7 Billionen Euro. Die Software des Unternehmens ermöglicht es Kunden, verschiedene Investmentfonds über eine zentrale Plattform zu filtern und zu handeln. Zudem bietet sie Fondsgesellschaften Reporting-Tools zur Nachverfolgung von Mittelflüssen.

Sofern die Übernahme zustande kommt, wäre dies der erste Deal des neuen Deutsche-Börse-Chefs Stephan Leithner. Die bislang größte Übernahme, die der Handelsplatzbetreiber gestemmt hat, war der 2023 angekündigte Kauf von Simcorp, einem dänischen Anbieter von Investment-Management-Software. Die Transaktion hatte ein Volumen von 3,9 Milliarden Euro. (ert/Bloomberg)