Nach Jahren des Wachstums zeichnet sich bei deutschen Fondsgesellschaften eine Trendwende ab. Das verwaltete Vermögen ging im vergangenen Jahr leicht um 1,6 Prozent auf 3,08 Billionen Euro zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Beratungsgesellschaft McKinsey. Demnach vertrauten zwar sowohl institutionelle wie auch Privatanleger unter dem Strich den deutschen Anbietern neues Geld an. Die Zuflüsse wurden jedoch durch die Börsenkorrektur mehr als zunichte gemacht, sodass das verwaltete Vermögen letztlich abnahm.

"Nicht nur die Volumina sind zurückgegangen, auch die Ertragslage der Fondsanbieter selber steht unter Druck", ergänzt Philipp Koch, McKinsey-Seniorpartner in München und Leiter der Beratung von Banken und Asset Managern. So hatten die heimischen Fondsanbieter 2017 noch 3,3 Milliarden Euro Gewinn erzielt. 2018 waren es "nur" noch 2,8 Milliarden. Die Betriebsgewinnmarge der Gesellschaften sank auf 14,6 Basispunkte, also 0,146 Prozent der verwalteten Kundenvermögen. Im Jahr zuvor hatte die Marge noch 18,3 Basispunkte betragen, im Rekordjahr 2013 sogar 19,6 Basispunkte.

Kosten sinken, Einnahmen aber noch schneller
"Die Tendenz sollte die Anbieter nachdenklich stimmen", mahnt Branchenkenner Koch. "Zwar haben sie ihre Kostenquote im Durchschnitt in den vergangenen zehn Jahren von 22,1 auf 19,9 Basispunkte gesenkt, aber die Ertragsmarge sinkt schneller als die Kostenmarge." Die Asset-Management-Industrie bekommt zunehmend eine Kombination aus fallenden Preisen und steigenden Aufwendungen zu spüren. Dies geht auch auf die wachsende Konkurrenz durch günstige, börsengehandelte Indexfonds (ETFs) sowie zunehmende regulatorische Anforderungen zurück.

Allerdings beobachtet der McKinsey-Mann Koch eine weitere Entwicklung. "In unsicheren Zeiten suchen alle Anleger wieder vermehrt nach der Expertise erfahrener Fondsmanager – der Boom der reinen Indexfonds hat in Deutschland im vergangenen Jahr nachgelassen." So steckten institutionelle Investoren 25,2 Milliarden Euro in aktiv gemanagte Rentenfonds sowie 18,4 Milliarden in alternative Strategien wie Immobilien oder Private Equity. Privatanleger wiederum lenkten ihr Geld in klassiche Mischfonds deutscher Anbieter, die 20,3 Milliarden Euro an Nettozuflüssen verbuchten. Aktienfonds mieden sie weitgehend. Profi-Anleger hingegen investierten 9,5 Milliarden in aktive Aktienportfolios.

Wachstum im Osten
Das Ertragsproblem ist keine rein deutsche Spezialität. Auch weltweit gesehen schrumpfte 2018 das von Fondsgesellschaften verwaltete Vermögen. Das Volumen ging um 0,8 Prozent um 79,3 Billionen Euro zurück. Die Nettomittelzuflüsse stiegen zwar um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch die schwchen Börsen ließen das Vermögen um 2,5 Prozent schrumpfen und radierten somit die Mittelzuflüsse aus.

"Schaut man sich die längerfristige Entwicklung seit 2014 an, dann kamen zwei Drittel der weltweit frisch angelegten Mittel aus China und Westeuropa", ergänzt Koch. So flossen in den vergangenen fünf Jahren 11,2 Billionen Euro den Asset Managern weltweit neu zu. Davon stammen 4,7 Billionen aus China und 3,0 Billionen aus Westeuropa. (ert)