Die Ertragslage deutscher Banken hat sich 2018 deutlich eingetrübt. Der Vorsteuergewinn der hierzulande aktiven Geldhäuser brach um satte 31 Prozent auf rund 19 Milliarden Euro ein. Dies zeigt der Monatsbericht der Bundesbank für September, der die Gesamtjahreszahlen für 2018 enthält. So habe sich eine Gesamtkapitalrendite von 0,23 Prozent der Bilanzsumme ergeben. Dieser Wert war so niedrig wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Langfristig gesehen liege der Wert aber noch im 20-Jahres-Schnitt.

Für die Institut selbst steht der Schuldige für die Misere fest: das Niedrigzinsumfeld und konkret die Minuszinsen der Europäischen Zentralbank (EZB). Praktisch als letzte Amtshandlung hatte Notenbankchef Mario Draghi jüngst den Zinssatz, den Banken für bei ihr geparktes Geld zahlen müssen, noch einmal um 0,1 Prozentpunkte auf minus 0,5 Prozent gesenkt – trotz des heftigen Protests aus der deutschen Finanzbranche.

Zinsergebnis steigt
Die Bundesbank-Daten zeichnen zumindest für 2018 jedoch ein anderes Bild. Demnach stiegen die Zinserträge in Gänze sogar leicht um 1,3 Prozent auf 167,6 Milliarden Euro. Der Zinsüberschuss kletterte sogar um zwei Prozent auf 87,2 Milliarden Euro. Trotz der Verbesserung verharren die Zinsüberschüsse der hiesigen Institute unter dem langfristigen Schnitt, betont die Bundesbank.

Diese Entwicklung verteilt sich allerdings sehr unterschiedlich auf die jeweiligen Bankengruppen. So steigerten vor allem die Großbanken, zu denen wegen einer Umgruppierung in der Statistik erstmals auch die Postbank zählte, Zinsertrag und -überschuss. Bei den Sparkassen und Volksbanken hingegen sanken die Zinserträge leicht, die Zinsüberschüsse blieben relativ stabil.

Minuszinsen führen nicht zur Misere
Die Bundesbank nennt daher Faktoren für die Ertragsmisere. So sei ein maßgeblicher Faktor das gesunkene Handelsergebnis, das verschlechterte Bewertungsergebnis sowie das reduzierte außerordentliche Ergebnis. Über alle Bankengruppen hinweg sanken die Provisionserträge um eine Milliarde auf rund 44 Milliarden Euro. Der Provisionsüberschuss nahm ebenfalls um eine Milliarde auf 29,5 Milliarden Euro ab.

Als Hauptproblem der deutschen Bankbranche bezeichnen die Bundesbanker die geringe Wirtschaftlichkeit. Das Aufwand-Ertrag-Verhältnis (Cost-Income-Ratio) habe sich spürbar verschlechtert. Im Vergleich zur europäischen Konkurrenz wiesen die deutschen Geldhäuser die schlechteste Kosteneffizienz überhaupt auf, so die Bundesbanker. Zwar haben die Institute die Kosten gekappt – jedoch lange nicht in dem Maße, wie es die wegbrechenden Erträge erforderten.

Auf Kunden abwälzen
Die Banken hingegen hegen andere Pläne. So haben bereits mehr als 40 Prozent der Institute eingeplant, negative Zinsen auf Einlagen weiterzureichen. Im Fall eines weiter sinkenden Zinsniveaus steigt der Anteil dieser Institute. Zwei Drittel der Institute gaben bei dem alle zwei Jahre stattfindenden Stresstest der nicht-systemrelevanten Geldhäuser durch Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin an, Minuszinsen auf Kunden abwälzen zu wollen. (ert)