Deutschland gilt bei Europas größtem Asset Manager Amundi als einer der Kernmärkte. "Deutschland ist der europäische Wachstumsmarkt für Amundi", sagte Evi C. Vogl, die Deutschlandchefin des französischen Fondsriesen, im Interview mit FONDS professionell, das in voller Länge in der aktuellen Heftausgabe 4/2017 erschienen ist.

Vogl verrät im Gespräch auch konkrete Zahlen: "Zu Jahresbeginn lagen die Assets, die Amundi und Pioneer für Kunden aus Deutschland managen, bei rund 36 Milliarden Euro. Über den Sommer kamen bereits vier Milliarden Euro dazu, sodass wir Stand Ende September auf 40 Milliarden Euro kommen." Die Erwartung aus Paris sei, das verwaltete Vermögen in den kommenden drei Jahren um 50 Prozent zu steigern. "Wir möchten also deutlich Marktanteile gewinnen", so Vogl. Die frühere Deutschlandchefin von Pioneer behielt diese Position nach der Übernahme durch Amundi im Juli bei (FONDS professionell ONLINE berichtete).

"Die Präsenz vor Ort ist uns sehr wichtig"
"Als Nummer eins in Europa muss eine starke Positionierung in Deutschland unser Anspruch sein", betont Vogl. "Darum auch das klare Bekenntnis, dass wir die deutsche Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) behalten und mit eigenen Portfoliomanagern vor Ort vertreten sein möchten." Die Entscheidung, die ehemalige Münchner Pioneer-KVG zu behalten, sei Teil der Wachstumsstrategie. "Wir möchten auf Kundenwunsch in der Lage sein, deutsche Fonds auflegen zu können." Darauf würden insbesondere einige institutionelle Investoren Wert legen, genau wie auf ein deutschsprachiges Portfoliomanagement. "Die Präsenz vor Ort ist uns sehr wichtig", so Vogl.

In Deutschland sei die Integration von Pioneer in Amundi schon weit fortgeschritten, berichtet Vogl. "Wir sind das erste Land, in dem zum 1. November schon die rechtliche Integration abgeschlossen war. Auch die Migration der IT ist schon weit vorangeschritten." Insgesamt sei die Integration jedoch sehr aufwendig. In jedem der 37 Länder, in denen Amundi tätig sei, müssten von den Aufsichtsbehörden Genehmigungen eingeholt werden. "Wir gehen aber davon aus, dass der Prozess bis Ende 2018 abgeschlossen sein wird", so Vogl.


Das vollständige Interview mit Evi C. Vogl lesen Sie in der aktuellen Heftausgabe 4/2017. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.


Amundi-Vorstandschef Yves Perrier hatte angekündigt, dass im Zuge der Integration rund 450 der insgesamt 5000 Stellen wegfallen sollen. Deutschland sei von dem Abbau jedoch kaum betroffen, sagt Vogl. "Es gab einige wenige Überschneidungen im Vertrieb. Mit den betroffenen Kollegen haben wir uns bereits geeinigt, so dass das integrierte Vertriebsteam schon steht. Im Portfoliomanagement gibt es keine wesentlichen Änderungen." Einzig in der Administration könnte sich möglicherweise noch was tun, so die Deutschlandchefin. "Große Einschnitte sind aber auch hier nicht zu erwarten."

"Wir heißen Amundi, und das wird konsequent umgesetzt"
Ehemalige Pioneer-Kunden werden sich daran gewöhnen müssen, dass der ihnen bekannte Name künftig keine Rolle mehr spielt – weder im Firmennamen des fusionierten Asset Managers noch in den Fonds. "Außerhalb der USA wird die Marke komplett verschwinden, und das ist meiner Meinung nach auch sinnvoll. Ein Flickenteppich ergibt keinen Sinn. Wir heißen Amundi, und das wird konsequent umgesetzt, auch in den Fondsnamen", sagt Vogl. Nur in den Vereinigten Staaten trete das Unternehmen als Amundi Pioneer auf, weil dort die Marke Pioneer eine deutlich größere Strahlkraft habe.

Vogl räumte ein, dass Amundi auch in Deutschland noch Nachholbedarf habe, was die Markenbekanntheit anbelangt. "Das wird im kommenden Jahr ein großes Thema sein. An der entsprechenden Kampagne wird gerade gearbeitet." (bm)